ATLAS
oFH rHALMOSKOPIE
Dh J. OELLER,
KGL. HOFRATH,
PRIVATDOZENT AN DER UNIVERSITAT MyNCHE
DRITTE LIEFERUNG.
15 TAFELN MIT TEXT.
ATLAS
OPHTHALMOSCOPY.
DE J. OELLER,
PRIVATDOZENT AT THE UNIVERSITY OF MUNICH.
THE TEXT TRANSLATED INTO ENGLISH
A. H. KNAPP,
NEW-YORK.
THIRD PART
15 PLATES WITH TEXT.
WIESBADEN.
•VEmjA.(3- "^Oisr J. F. BEE,a-IS^-A.3Sr3Sr.
1897.
ATLAS
DER
OPHTHALMOSKOPIE.
DS. J. OELLER,
KGL. HOFRATH,
•PRI VATDOZENT AN DER'UNIVERSITAT MONCHEN.
DRITTE LIEFERUNG.
15 TAFELN MIT TEXT.
ATLAS
OF
OPHTHALMOSCOPY.
BY
DS^ J. OELLER,
PRIVATDOZENT AT THE UNIVERSITY OF MUNICH.
THE TEXT TRANSLATED INTO ENGLISH
BY
DR- A. H. KNAPP,
NEW-YORK.
■ THIRD PART.
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15 PLATES WITH TEXT.
WIESBADEN.
•VER,L.A.C3- "VOlsr J. F. JVEAISTlSr.
1897. .
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I
frr-^
A.
Normale Formen des Augenhintergrundes.
Varieties of normal fundus oeuli.
Tab. IV.
EXCAVATIO PHYSIOLOGICA. ARTERIA OPTICO-CILIARIS.
A. Tab, IV.
Excavatio physiologica. Arteria optico-ciliaris oculi dextri.
H' J., 31 Jahre alt, Braugehilfe, machte im Herbst 1890 eine
acute Nephritis durch. Wegen geringgradiger subjektiver Storungen
in der Reconvalescenz: leichtes vorubergehendes Flimmern, etwas
rasche Ermlidung bei der Naharbeit, unterzog er sich am 8. XI. 1890
einer augenarztlichen Untersuchung.
Beiderseits: E. S. ®/6.
Beiderseits gleicher Spiegelbefund mit Ausnahme der fur das
rechte Auge zu schildernden Gefassanomalie.
Reclites Auge:
Der kreisrunde, von einern vollkommen geschlossenen Binde-
gewebs- und Aderhautring begrenzte Sehnerv zeigt eine grosse,
centrale, blendendweisse runde Stelle: eine seichte, physiologische
Excavation mit ausgesprochener Fleckung der Lamina cribrosa, die
vorziiglich am Rande der Delle hauptsachlich eine radiare An-
ordnung der hellgraugrunlichen Spalten zwischen den weissen Septen
in der siebformigen Platte aufweist.
Der breitere nasale Opticussaum erscheint etwas gesattigter
rosarot als der schmalere temporale Saum.
Der retinale venose Gefassverlauf zeigt keine besondere Ano-
malie; der arterielle dagegen weist eine seltene Abart auf.
Ein grosser arterieller Stamm zweigt sich mit deutlichem
Reflexstreifen versehen gerade unter und neben dem Eintritte
der unteren grossen Netzhautvene in die Gefasspforte von dem |
unteren arteriellen Hauptaste ab, lauft langs des unteren Randes
der physiologischen Excavation bin, urn nach einer nach oben
gerichteten seichten Curve liber den unteren ausseren Binde-
gewebsring hinweg am Aderhautring plotzlich scharf abgesetzt
zu endigen. Dieses Gefass taucht nirgends mehr sichtbar in
der Netzhaut auf; es biegt zweifellos am Rande des Sehnervs
in die dahintergelegene Aderhaut ein (Arteria optico-ciliaris).
Es entspringt von ihm ein kleines Reiserchen, das am Rande der
Excavation in die Hohe zieht und eine Anastomose eingeht mit
einem anderen kleinen arteriellen Astchen, das von der Arteria
temporalis sup. stammt.
Der aus der Gefasspforte nach unten austretende arterielle
Hauptast ist gerade oberhalb einer Teilungsstelle durch einen ihn
iiberquerenden schmalen blendendweissen Bindegewebszug unter-
brochen, der unter der Vena nasal, inf. hindurch sich noch eine
kurze Strecke nach unten aussen liber das Anfangsstlick der Arteria
temporal, inf. hinzieht.
Die Farbe des Hintergrundes urn den Sehnerv ist die eines
blondenindividuums, hellgelblichrot, feinchagriniert; in der Peripherie
des Bildes erscheint der Hintergrund jedoch gleichmassig rot.
Die Macula lutea stellt ein horizontales Oval dar, etwas kleiner
als der Sehnerv und von gesattigt roter Farbe ohne Foveola. Nach
unten, innen und oben innen ist ein ganz zarter, eben wahrnehm-
barer schmaler graulicher Reflexbogen wahrzunehmen.
H. J., 31 years old, assistant in a brewery was ill with acute
nephritis in autumn of 1890. During convalescence slight subjective
disturbances, transient scintillations, rather rapid fatigue in work
near-by, led him to consult an oculist on Nov. 8, 1890.
In both eyes: E., V. = ®/6; also the same ophthalmoscopic
picture, excepting the anoiualy of the vessels in the right eye
presently to be described.
Right eye:
The circular papilla, surrounded by complete connective-tissue
and choroidal rings, presents a large, central, shining-white round
atea: a shallow physiological excavation with marked stippling of
the lamina cribrosa. Especially near the edge of the depression
can the light grayish-green clefts, chiefly arranged radially, be seen
between the white septa of the cribriform plate.
The broader nasal papillary border appears a deeper pinkish
red than the narrower temporal border.
The distribution of the retinal veins is normal, on the other
hand the arteries show a peculiar variety. A large arterial vessel,
with marked reflection, branches off from the lower main arterial
trunk just below and next to the entrance of the lower large retinal
vein into the vascular funnel. The artery runs along the lower
edge of the physiological excavation, follows a slightly bent course
upwards over the lower and ipner part of the scleral ring and comes
to a sudden stop at the choroidal ring. This vessel does not re¬
appear in the retina; without doubt it turns at the margin of the
disc into the choroid (arteria optico-ciliaris). It gives off a small
branch which passes upward at the edge of the excavation and
joins another small arterial branch coming from the superior tem¬
poral artery. The main arterial branch which proceeds from the
vessel-entrance in a downward and outward direction is crossed and
interrupted just above a point of bifurcation by a narrow shining-
white connective-tissue membrane. This membrane passes under the
infero-nasal vein and travels downwards and outwards over the
initial portion of the infero-temp artery.
The color of the fundus about the papilla is that of a blonde
person, light yellowish-red, finely shagreened; in the periphery of
the picture the fundus appears evenly red.
The macula lutea is represented by a horizontal oval, somewhat
smaller than the disc, of a deep red color without foveola. Below,
inwards and above-inwards a delicate, barely perceptible narrwo
grayish reflex-arc can be distinguished.
O'eiler, Ophthtilmoshopischer Atlas.
A. rah K
)
B.
Erkrankungen des Sehnervs.
Diseases of the optie nerve.
Tab. I.
NEURITIS OPTICA (PAPILLITIS).
B. Tat. I.
Neuritis optica (Papillitis) oculi dextri.
M. Th., 61 Jahre alt, Lohnkutscherswitwe, von ganz gesunden
Eltern stammend, hat noch nie eine nennenswerte Erkrankung
durchgemacht. Sie wurde erst in ihrem 19. Jahre menstruiert. Mit
ihrein 35. Jahre verheiratet, gebar sie 5 Kinder, von denen 3 schon
in den ersten Lehensjahren starben. In ihrem 44. Lebensjahre he-
gann eine Unregelmassigkeit in der Periode, indem die Menses in
profuser Weise und in kiirzeren Pausen auftraten. Dies dauerte bis
in das 52. Lebensjahr, von welchem an die Periode noch 2—3mal
jahrlich einsetzte. Erst vom 56. Jahre an cessierten die Menses
ganzlich. In diese Zeit fallt nach Angabe der Patientin eine Ver-
schlechterung des Sehvermogens beider Augen, weswegen sie am
15. IX. 92 augenarztliche Silfe in Anspruch nahm. Bei normalem
ophthalmoskopischem Befunde linkerseits und gleicher Sehscharfe
beider Augen wurde rechterseits eine ausgesprochene Papillitis
constatiert.
Eine interne Untersuchung ergab mit Ausnahme einer leichten
Verbreiterung des Herzens nach rechts und einer deutlichen Mitral-
insulficienz keine weitere Anomalie.
Das ophthalmoskopische Bild stammt aus dem Jahre 1893.
Beiderseits: S = ®/i 2 ; mit + 1 Dioptr. S ^/s ; mit + 4 Dioptr.
Nieden 1 auf 25 Ct.
Farbenperception normal.
Rechterseits: concentrischeGesichtsfeldeinengung: o = 22",
u= 35", i = 38", au^Sb".
Linkes Auge: Medien rein; normaler Sehnerv mit deutlichem
Bindegewebs- und Aderhautring und centraler Gefasspforte. Netz-
hautmitte und Peripherie ebenfalls normal.
Rechtes Auge: Medien rein. Der Sehnerv hebt sich zwar
als eine hellere, rundliche Scheibe vom Hintergrunde ab; seine
obere, innere und untere Grenze ist jedoch vollkommen unbestimmt,
verwaschen, weder Bindegewebs- noch Aderhautring sichtbar; nur
die temporale Grenze tritt etwas scharfer gezeichnet hervor. Die
nasale Halfte des Sehnervs ist gleichmassig rotlich gefarbt, doch
schimmert ihr Rand weisslich durch ; in der temporalen Halfte da-
gegen beginnt eine ausgesprochene weisse Verfarbung des Opticus.
Ohne eine merkliche Niveaudilferenz ist die Gefasspforte voll¬
kommen verstrichen.
Ein zarter gleichmassiger hellgelblicher Schimmer lagert sich
in breiter Ausdehnung um den Sehnerv.
Die Netzhautgefasse zeigen keine augenfalligen Veranderungen.
Die Arterien, mit deutlichen Reflexstreifen versehen, erscheinen nur
etwas schmaler; die Venen etwas dunkler und leicht geschlangelt.
Auffallend diirfte nur die grosse Zahl kleiner Gefasse zu den macu-
laren Partien sein.
Die Macula lutea zeigt eine sehr tiefe Lage. Sie sitzt 2^/2
Papillenbreite nach aussen vom Sehnerv und etwas unterhalb einer
Tangente, die den unteren Sehnervenrand streift. Sie ist durch
eine rundliche dunkelrote Stelle (ohne Foveola) mit verschwommenen
Grenzen und ohne Reflexring gekennzeichnet. Eine kleine Vene
umkreist ihren oberen Rand.
Um die Hetzhautmitte liegt in grosser Ausdehnung ein ganz
zarter, gleichmassiger, graulicher Schleier. Durch diesen hindurch
gewahrt man eine sehr grosse Zahl ganz kleiner, eben wahrnehm-
barer, rundlicher, gelblicher Piinktchen, die alle isoliert stehen, keine
Heigung zur Confluenz und kein bestimmtes Verhaltnis zu den
Netzhautgefassen zeigen. ISTasalwarts sind sie in etwas breiterer
Zone angehauft.
Wahrend in den macularen Partien Aderhautgefasse nicht
sichtbar sind, treten sie in den ubrigen Partien des Hintergrundes
zwar deutlich sichtbar hervor; es sieht aber aus, wie wenn der-
selbe zarte Schleier, der um die Netzhautmitte liegt, sich auch vor
die Chorioidealgefasse lagern wiirde, darum sehen die Intervascular-
raume der Chorioidea so eigentiimlich hellgrau aus, die Aderhaut¬
gefasse haben einen viel helleren, gelbrotlichen Farbenton und ihre
Contouren erscheinen nicht so bestimmt. Der hellgelbliche Farben¬
ton einzelner Aderhautgefasse unterhalb des Sehnervs lasst ubrigens
auch eine beginnende Sclerose derselben mutmassen.
M. Th., 61 years old, of healthy parentage, has never been
seriously ill. Menstruation commenced in the Ifl*** year. She was
married when 35, has given birth to 5 children, 3 of whom died
in early life. In her 44*’* year her periods became irregular, the
flow was profuse and appeared in shorter intervals. This continued
to her 52'* year, when the periods came only 2—3 times a year.
Commencing with her 56*** year the menses ceased entirely. At
this time it was noticed that the vision in both eyes was impaired,
so that she consulted an oculist on Sept. 15, 92. The vision was
the same in both eyes; the fundus of the left eye was normal
while in the right marked papillitis was noticed.
Physical examination detected no anomaly beyond a slight
dilatation of the heart to the right and a distinct mitral insufficiency.
The ophthalmoscopic picture was drawn in 1893.
On both sides V ®/i 2 , with 4- 1 D V "/s; with + 4 D Meden
1 in 25 cm.
Color-sense normal.
On the right side, concentric contraction of field: up 22",
down 35 ", in 38", out 35".
Left eye: media clear; disc normal, with distinct scleral and
choroidal rings, central vessel-entrance. Retinal centre and peri¬
phery are also normal.
Right eye: Media clear. The disc appears as a lighter-color¬
ed, round area in the fundus; the upper, inner and lower borders
are ill-defined and hazy; neither scleral nor choroidal rings can be
seen; the temporal border, however, seems to be somewhat better
defined. The nasal half of the disc is evenly red, though its border
appears whitish; the temporal half commences to show a whitish |
discoloration of the disc. The vessel-entrance is completely blurred
and without a noticeable difference in level.
A delicate uniform, light yellowish lustre surrounds the papilla
to a considerable extent.
The retinal vessels present no striking changes. The arteries
with distinct reflex-streaks appear somewhat contracted; the veins
are darker and slightly tortuous. Rather unusual is the large
number of vessels going to the macular region.
The macula is situated very low down. At a distance of
2^1-2 papilla-diameters external to the disc, it lies below the tan¬
gent which touches the lower border of the disc. The macula is
represented by a round, dark fed spot without foveola, with in¬
distinct outline and without reflex-ring. A small vein encircles its
upper margin.
A delicate, uniform grayish veil surrounds the retinal center
to a large extent. Through this a great number of small, just
perceptible, round yellow dots are visible; they are isolated, show
no tendency to coalesce, and have no particular arrangement as
regards the retinal vessels. In the nasal side they are collected
in a broader zone.
The choroidal vessels are distinctly visible every where except
in the macular region. The same veil which surrounds the ma¬
cula, seems also to cover the choroidal vessels, thus making the
intervascular spaces of the choroid appear peculiarly light-gray,
and the choroidal vessels have a much lighter, yellowish-red color
and their contours are not so well-defined. The light yellowish
color of several choroidal vessels below the disc suggests commenc¬
ing sclerosis.
Qeller, Ophthalmoskopisdier Atlas.
B. Tah. [.
B.
Erkrankungen des Sehnervs.
Diseases of the optic nerve.
Tab. VIII.
ATROPHIA NERVI OPTICI; ENDARTERIITIS RAMI ARTERIAE
TEMPORALIS INF.
B. Tab. VIII.
Atrophia nervi optici; Endarteriitis rami arteriae temporalis inf. oculi sinistri.
L. Fr., 43 Jahre alt, Drechsler, von ganz gesunden Eltern
stammend, hatte niit 15 Jahren Scharlach und Diphtherie durch-
gemacht. In seinem 24. Jahre wurde er syphilitisch inficiert.
Seit seinem 29. Lehensjahre mit einer gesunden Frau verheiratet,
erzeugte er neun Kinder; eines wurde todt geboren, die ubrigen
starben meist schon im ersten halben Jahre.
Nach vorausgegangenem, ofteren, vorubergehenden Doppelt-
sehen trat im Juni 1886 unter Kopfschmerzen eine bedeutende Ver-
schlimmerung des Sehvermogens beider Augen ein; das linke Auge
erblmdete sehr rascb ganzlich, wahrend auf dem rechten Auge ein
Eest des Sehvermogens erhalten blieb. Seit Nov. 1886 ist nun der
Zusta,nd beider Augen vollkommen gleich geblieben. Auch im All-
gemeinbefinden waren nur hie und da geringgradige Storungen auf-
getreten: zuweilen reissende Schmerzen in den Beinen, reichliche
Schweisse, auch bei Nacht, Herzklopfen und Kopfschmerzen mit
wBchselnder Localisation. Patient stand dieser Symptome wegen
wahrend der letzten zwei Jahre wiederholt in langerer interner
poliklinischer Beobachtung.
Eine vom 16. IX. 96 vorgenommene Untersuchung ergab:
Catarrh, apic. dextr.; geringe Verbreiterung des Herzens nach
rechts; an alien Ostien reine Tone; stets starke Beschleunigung
des Pulses: 110 in der Minute. Von Seite des Nervensystems:
geringgradige linksseitige Ptosis, Reaction der Pupillen reflecto-
risch = 0; accommodativ aber vorhanden; Patellarreflexe ge-
steigert, besonders links; Vorderarm-Periostreflexe, Bicopssehnen-
reflex, Sohlenstreichreflex sehr verstarkt, Sensibilitat, Schmerzem-
pfindung, Warmeempfindung, grobe Kraft normal; keine Ataxie.
Interne Diagnose; Cerebrale Lues; Myodegeneratio cordis.
Eine am 14. IX. 96 vorgenommene functionelle Priifung der
Augen ergab:
Rechtes Auge: E S = _N. 15 auf 10 Ct.; temporale Ge-
sichtsfeldhalfte fehlt, Trennungslinie geht genau durch den Fixa-
tionspunkt; erhaltene Gesichtsfeldhalfte oben und unten ebenfalls
bedeutend eingeengt. Vollstandige Rot-Griinblindheit.
Spiegelbefund: weisse Papille mit normalen Gefassen.
Linkes Auge: S = A.
Der Sehnerv ist scharf begrenzt durch den Skierairing, der
namentlich nach unten innen breiter und bestimmter gezeichnet in
die Augen springt. Er erscheint in seiner' ganzen Ausdehnung gleich-
massig hell, silbergrau, fastweissohneirgendwelcheweitereZeichnung
zu zeigen; nur die central gelegene Gefasspforte hebt sich durch
ihre blendend weisse Farbe von ihrer Umgebung ab. Arterien wie
Venen bieten weder nach Verlauf noch nach Caliber irgendwelche
Anomalie. ^ Die grosseren Arterienstamme zeigen die normalen
Reflexstreifen. Nur ein grosserer arterieller Seitenast, der gerade
unterhalb der Mitte des unteren Sehnervenrandes iiber den venosen
Hauptstamm macularwarts zieht, weist in seinem Verlaufe eine
eigentiimliche Veranderung auf. Wahrend er von seiner Abzweig-
ungsstelle an gerade unterhalb des Opticusrandes olme Reflexstreifen
nur schwer vom Rot des Hintergrundes sich abhebt, wird er ca.
1 Papillenbreiten nach unten aussen vom Sehnerv etwas breiter
und verwandelt sich in einen gelblich-weissen, glanzenden Strang,
der scharf von der Umgebung sich abhebt und breiter ist als
der Reflexstreifen einer Arterie vom Caliber der vorliegenden.
Auch die Farbe des Stranges ist warmer, gelblicher als der
gewohnliche Reflexstreifen; beiderseits ist ervon einem ganz zarten,
roten Coiitour eingescheidet. Nach einem bogenformigen ca. 1
Papillenbreiten betragenden Verlaufe verschmalert sich die Arterie
wieder zu einem gleichmassig breiten roten Gefass ohne Reflex¬
streifen. Ca. 1 papillenbreit nach oben aussen vom Beginne dieser
degenerierten Arterienstelle liegt durch einen zart graulich-roten
rundlichen Fleck angedeutet die Macula lutea. Urn die Netzhaut-
mitte erscheint der Augenhintergrund in grosser Ausdehnung aus-
gesproehen gelblichrot und alle macularwarts ziehenden Gefasschen
heben sich nur schwer von ihrem Untergrunde ab.
Namentlich an der temporalen Sehnervenseite gewahrt man
in ganz unbestimmten Contouren hellere gelbliche Streifen mit
dunkelgrauroten Zwischenraumen (wahrscheinlich sclerotische Ader-
hautgefasse mit den dunkleren Intervascularraumen).
L. Fr., 43 years old, turner, of healthy parents. He had
scarlet fever and diphtheria when 15 years old. In his 24year
he contracted syphilis. Since his 29 year he has been married
to a healthy woman; of the nine children, one was still-horn,
all of the others died usually in the first half-year.
After repeated, transient attacks of diplopia, a decided dimi¬
nution of the vision in both eyes set in with head-ache in June 1886;
the left eye rapidly became totally blind, while some vision remained
in the right eye. Since Nov. 1886 the condition of both eyes has
been stationary. His general state of health has only from time
to time been slightly disturbed: occasional shooting pains in the
legs, profuse sweats also at night, palpitation and headache of
varying localisation. The patient has visited the dispensary off
and on during the last two years on account of these symptoms.
The examination on Oct. 16, 1896 gave:
Right apex-catarrh, slight dilatation of the heart to the right;
heart sounds clear, continuously rapid pulse, 110 in the minute
Nervous system: slight ptosis on the leftside. Pupillary reaction
to light absent, present in accomodation; patellar reflex increased
especially left: The periosteal reflex of the forearm, the biceps-
tendon reflex and the plantar reflex were much increased, sensation,
pain, temperature-sense, and strength were normal. No ataxia.
The medical diagnosis was: cerebral syphilis, myocarditis.
A functional examination of the eye on Oct. 14. 96 showed:
Right eye: E. V. = ^/eo, N. 15 in 10 cm; the temporal half
of the field is wanting, the line of separation goes right through
the point of fixation, the preserved half of the field is also limited
above and below. Total blindness for red and green.
The ophthalmoscopic image shows a white disc and normal
vessels.
Left eye: V. = L •
The disc is sharply outlined by the scleral ring which ap¬
pears broader and more pronounced below and internally. The
disc appears everywhere uniformly light silvery-gray, almost white
without any markings except the vessel-entrance situated centrally,
which differs from its surroundings by its shining-white color. The
arteries and veins are normal both in course and in caliber. The
larger arterial trunks show the normal reflection. The large arterial
lateral branch, however, which passes over the main venous trunk
just below the middle of the lower papillary border as it travels
to the macula, presents a peculiar variation in its course. While
at its origin just below the margin of the disc this artery shows
no reflex streak and is but little defined on the red of the fundus, it
becomes broader at a point Vk papilla-diameters below and out¬
ward of the disc and changes to a yellowish-white shining line
which is in sharp contrast to the surroundings and is broader than
the reflex-streak of an artery of like caliber. The color of the
strand is in addition more intense, more yellow than the usual
reflex-streak, it is enclosed on both sides by a delicate red outline.
After a curved course of about I ^2 papilla-diameters in length this
artery again contracts to a uniformly broad, red vessel without
reflection. A delicate, grayish-red rounded spot marks the position
of the macula lutea at about 1 papilla-diameter above and to the
outer side of the beginning of the degenerated portion of the artery.
The fundus to a great extent about the retinal centre appears
decidedly yellowish-red and all the smaller vessels passing to the
macula are seen with difficulty.
Lighter yellowish streaks with indefinite contours and dark
grayish-red interspaces are especially noticeable on the temporal
side of the disc (presumably sclerosed choroidal vessels with darker
intervascular spaces.)
Oellei', Ophth almoskopisrher Atlas.
Atro[ihia Tiervi optici. Endartemtis rami arteriae teniporuTis iaferioris
"tniir rtin-i
c.
Erkrankungen der Netzhaut
Diseases of the Retina.
Tab. II.
NEURO-RETINITIS ALBUMINURICA.
C. Tab. II.
Neuro-Retinitis albuminurica oculi dextri.
G. St., 22 Jahre alt, Rangiergehilfe, hat seiner Angabe nach
mit 6 Jahren die Wassersucht (Scharlach?) gehabt. Anhaltende
schwere korperliehe Arbeit hatte ihn in den letzten Jahren zum
Potatorium verleitet. Ohne fruher augenleidend gewesen zu sein,
bemerkte er am 9. XII. 95 wahrend der Arbeit im Freien plotzlich
eine ganz bedeutende Abnahine des Sehvermogens beider, namentlich
aber des rechten Auges. Er stellte sich deswegen am 12. XII. 95 vor.
Die interne Untersuchung ergab eine bedeutende Herzhyper-
trophie, hohen Arteriendruck (180 mm Hg.); bei 2200 gr. Harn-
menge und 1017 spec. Gewicht l°/oo Eiweiss. ISTach Twochent-
licher Bettruhe und Milchdiat wurde Pat. am 9. I. 96 gebessert
entlassen, sowohl in Bezug auf das Allgemeinbefinden als das Seh-
vermogen. Aber wenige Tage nach seiner Ankunft in der Heimat
traten heftige Schmerzen im Kopfe und in der Nierengegend und
wiederholt blutiger Urin auf. Das Sehvermogen sank sehr rasch
und war bis zu seinem ant 31. I. 90 unter einem leichten uramischen
Anfalle erfolgten Tode fast ganzlich erloschen.
Die funktionelle Prufung am 12. XII. 95 ergab:
Rechtes Auge: MID. S ®/i 5 .
Linkes Auge; E S ®/i 5 .
Der ophthalmoskopische Refund war auf beiden Augen im
wesentlichen gleich.
Rechtes Auge:
Brechende Medien rein.
Der Sehnerv stellt eine rundliche, ganz unbestimmt contourierte
rotliche Masse ohne Niveaudifferenz dar, in der das aufrechte Bild
eine zarte radiare Streifung erkennen lasst. An den mutmasslichen
Sehnervenrandern gewahrt man mehrere kleine, rundliche, weissliche
Herde (Fettkornchenzellen oder varikose Xervenfasern). Den Seh¬
nerv umgiebt ein rautenformiger, gelblichweisser Hof; seine Grenzen
sind nach oben ^aussen und unten innen unbestimmt, nach oben
innen und unten aussen dagegen scharf contouriert, leistenartig auf-
geworfen. Im weisslichen Hofe sind nach oben aussen ahnliche
hellerweisse Einlagerungen sichtbar wie an den Randern des Seh-
nervs selbst.
Aus der Mitt'e des Sehnervs tauchen zwei bedeutend ver-
schmalerte Arterien auf: Art. temp. sup. et inf., letztere stellen-
weise weiss eingescheidet. Erstere wird ca. IV 2 papillenbreit nach
oben aussen auf eine kurze Strecke gleichmassig etwas breiter, ist
beiderseits von einem schmalen grauschwarzen Pigmentsaume be-
gleitet und mit einem centralen weissen Streifen versehen der
breiter ist als dergew6hnlicheReflexstreifen(Endarteriitis). DieVenen
des Sehnervenkopfes sind breiter, dunkler, haben scharf gezeichnete
Reflexstreifen. Der Ursprung zweier nasaler Venen ist durch den den
Opticus umgebenden Hof gedeckt. Zahlreiche ganz diinne Gefasschen
tauchen da und dort meist an den Randern des Sehnervs auf. In den dem
Sehnerveneintritt benachbarten Netzhautpartien beschreiben die stark
gefiillten und geschlangelten Venen starker vorspringende Schleifen
sind aber da und dort durch das namentlich langs der temporalen
Gefasse bestehende Odem stellenweise leicht verschleiert. Die
Xetzhaut erscheint an diesen Stellen auf kurze Strecken auch'radiar
zur Papille gestreift.
Am oberen inneren Rande des beschriebenen Hofes scheint
sich das Netzhautodem besonders zu verdichten. In den odematosen
Partien um den Sehnerv und langs der temporalen Gefasse trifft
man ganz regellos zerstreut sehr zahlreiche kleine rundliche, isoliert
stehende oder confluierende weissliche glanzende Fleckchen, so dass
der Hintergrund an diesen Stellen wie weiss bespritzt erscheint.
Einzelne kleine streifige Blutungen sind in nachster Nahe des Seh¬
nervs in der Xetzhaut zerstreut.
Ein eigentiimliches Verhalten zeigen die macularen und
inneren paramacularen Partien. Wahrend liber den ganzen im
Bilde dargestellten Hintergrund ein leichter odematoser Hauch zu
liegen scheint, weist die genannte Region zwei grosse, rundliche,
odemfreie, tiefrote Plecken auf: der maculare kleiner als der innere,'
und durch eine breite Brucke mit ihm im Zusammenhange stehend.’
Im paramacularen Plecke gewahrt man eine ganz zarte eben
wahrnehmbare dunkelrote horizontale Streifung. Umsaumt sind
beide roten Kreise von gelblichweissen, fettglanzenden, rundlichen
Oder strahligen Herden, zum macularen Centrum radiar gestellt
und so eine teilweise Sternfigur bildend, zur paramacularen Zone
dagegen irregular gruppiert. An einzelnen Stellen sieht man deut-
lichst, dass Netzhautgefasse liber diese Herde ununterbrochen hin-
liberziehen.
Eine aulfallende Erscheinung sind zahlreiche an der Peripherie
des Bildes oben, oben aussen und unten aussen eben wahrnehmbare
zarte radiar zum Sehnerv oder zur Macula streichende verschieden
lange, schmale, parallell zu einander laufende hellgrauliche Streifen
(moglicherweise z a r t e Faltelungen der inneren Netzhautschichten).
G. St., 22 years old, brakesman, states that he suffered from dropsy
(scarlet fever?) at age of 6. During the last few years severe
and prolonged physical exercise had led him to drink. His eyes
had always been healthy until on Dec. 9, 95 while working out
of doors he noticed a considerable diminution in the vision of
both, and especially of the right eye. He came to us on Dec. 12, 95.
The medical examination showed marked cardiac hypertrophy, high
arterial pressure (180 mm hg.); with 2200 g. of urine and sp.
grav. 1017 : 1 “/oo albumen. After weeks of rest in bed and milk-
diet, patient was discharged on Jan. 9, 96 improved both as regards
general condition and vision. However, few days after returning to
his home violent pains in the head and kidney-regions with repeated
bloody urine set in. The sight diminished rapidly and had almost
completely disappeared on Jan. 31, 96 when death occurred during
a slight m’aemic attack.
The functional examination on Dec. 12, 95 gave:
Right eye: M. 1 D. V=A/i 5 .
Left eye: E. V = ®/i 5 .
The ophthalmoscopic images of both eyes are about the same.
Right eye:
Refracting media clear.
The papilla appears as a rounded, reddish mass of indistinct
outline ^and of the same level as the fundus. In the upright image
this mass shows a delicate, radiating striation. At the presumable
borders of the disc, there are several rounded, whitish spots (fatty
granular cells or varicose nerve-fibres). A rhombic, yellowish-white
area surrounds the disc; its limits above externally and below inter¬
nally are indefinite, but above internally and below externally they
are sharply defined and raised in ridges. Above and externally in
the white area, pale white deposits are visible similar to those I
■on the borders of the disc. j
Two decidedly diminished arteries arise at the centre of the
papilla, the sup. and inf. temp, art.; the latter is in places sur- '
rounded by a white sheath. The veins of the papilla are broader,
darker and show a well-marked reflex-streak. The origin of two
nasal veins is concealed by the circum-papillary area. Here and
there numerous minute vessels appear chiefly at the borders of the
papilla. The distended and tortuous veins describe more protrud¬
ing loops in the retina surrounding the disc, though occasionally
and especially along the temporal vessels they are veiled by a
faint oedema. In these places the retina appears striated for short
distances radially to the papilla.
The oedema of the retina appears to be more dense at the
upper and inner margin of the area just-described. In the oede-
matous parts about the disc and along the temporal vessels many
round, whitish shining spots lie irregularly scattered; they are
isolated or confluent and give the fundus in these places a white
sprinkled appearance. Several small striated hemorrhages are
dispersed over the retina about the papilla.
A peculiar appearance is presented by the macular and inner
paramacular areas. In contrast to the faint oedema over the entire
image of the fundus, this area presents two large round spots of
deep red color and without oedema. The macular spot is smaller
than the one more internal ; they are connected by a broad bridge.
In the paramacular spot, a delicate dark red horizontal striation
is just perceptible. Both red areas are surrounded by yellowish-
white rounded or radiate spots of fatty lustre; they are arranged
radially to the macular centre and thus form a partial star-shaped
figure, as to the paramacular zone their arrangement is irregular.
At some places, the retinal vessels can readily be seen to pass
uninterrupted over these spots.
Rather striking is the presence of barely perceptible, light
grayish streaks in the upper, upper-outer and lower outer parts
of the periphery. These faint streaks are narrow, of various
length, run parallel to one another and are arranged radially to
the disc or to the macula (possibly delicate folds in the inner
layers of retina). -
Oeller, OphtliaLmosTtopisdier AtLas.
a Ta b. E
c.
Erkrankungen der Netzhaut.
Diseases of the Retina.
Tab. VII.
FUNDUS LEUCAEMICUS.
C. Tab. VII.
Fundus leucaemicus oculi dextri.
M. M., 39 Jahre alt, Auskochgeschaftsinhaber, hat als Kind Schar-
lach durchgemacht. Seine Mutter war an Magencarcinom, sein Vater
an Apoplexie gestorben. Vor 6 Jahren will Patient einen einmaligen
heftigen Fieberanfall durchgemacht hahen, von welchem an er eine
allmahlig zunehmende Anschwellung der Milz datiert. Vor 4 Jahren
wurde er nach einer langeren Reise der Donau entlang vom Wechsel-
fieber befallen, das, anfanglich tagliche Anfalle zeigend, mit mehr
minder langen Intervallen iiber ein Jahr dauerte. Die Milzanschwellung
nahm damals bedeutend zu, das Korpergewicht dagegen unverhaltnis-
massig ah (vom Dez. 1893 bis August 1894 angeblicb 50 kg). Zu
Beginn des Jabres 1896 trat eine starke Anschwellung des rechten
Unterschenkels auf, in letzterer Zeit auch heftiges Nasenbluten und
voriibergehende Schwachezustande.
Pat. stand seit langerer Zeit in poliklinischer Beobachtung. Eine
Aufnahme des Status vom 13. VII. 96 ergab:
Starker Fettschwund; bedeutende kuglige Auftreibung des Leibes;
Bronchitis in den unteren Lappen; Insufficienz der Valvula mitralis;
Leber bedeutend vergrossert; rechts in der vorderen Axillarlinie bei
Riickenlage bis zur rechten Darmbeinschaufel reichend. Milz enorm
vergrossert, sehr hart, reicht nach unten bis zur linken Darmbein-
scbaufel. Lange 45 cm, Hohe 25 cm. Ascites nicht nachweisbar.
Lymphdrusen nicht geschwollen.
. Im Urin etwas Eiweiss, zahlreiche rote und weisse Blutkorperchen,
reichliche krystallinische Harnsaure in spitzen Drusen.
Im Blute: Zahl der roten Blutkorperchen 2.56 Millionen im □ mm ;
Zahl der weissen 675 000; Verhaltnis der roten zu den weissen 4: 1.
Zahlreiche grosse mononucleare Knochenmarkszellen, zum Teil mit
eosinophiler Granulation; viele kernhaltige rote Blutkorperchen.
Patient starb am 12. Xll. 96 an Herzparalyse. Die Section be-
statigte die klinische Diagnose einer medullar-lienalen Leucamie voll-
standig. Die Milz wog 3.3 Kilo, die Leber 6.3 Kilo. Das Knochenmark
(Sternum und Tibia, sin.) war weich, schmutzigbraunrot.
Patient hatte sich am 18. IX. 94 zum ersten Male zu einer
augenarztlichen Untersuchung vorgestellt. Aus dieser Zeit stammt
auch der Augenspiegelbefund, der mit Ausnahme der in den' letzten
Monaten aufgetretenen weiteren V eranderungen lange Zeit vollkommen
sich gleich geblieben ist.
Beiderseits: E. S. ^/u, Pr. 1 D., Sn. 1. Ophthalmoskopischer
Refund beiderseits gleich.
Rechtes Auge:
Ein sofort in das Auge springendes Symptom liegt in dem Unter-
schiede der Pigmentierung der Haare und des Augenhintergrundes.
Wahrend erstere ganz dunkelbriinett, fast schwarz erscheinen, ist der
letztere von einer eigentiimlich hellen, gelbrotlichen Farbe, ahnlich
wie bei hellblonden Individuen; es handelt sich aber nicht um das
schone, leuchtende, transparente Rot, durch welches da und dort
Aderhautgefasse sichtbar sind, sondern um eine mehr lehmfarbige
Nuance, namentlich um den Sehnerv und seine nachste Umgebung,
aber selbst in den aquatorialen und peripheren Partien zeigt der Hinter-
grund noch ein auffallend belles, gelbliches Rot. Dabei ist im auf-
fallenden Bilde eine deutliche Kornung des Hintergrundes bemerkbar.
Der Sehnerv bietet keine besondere Anomalie, weder in Form
noch Farbe; es ist nur seine nasale Grenze etwas mehr verwaschen
dadurch, dass auch die nasale Opticushalfte etwas roter erscheint. Der
Scleralring ist aber nach oben, aussen und unten scharf ausgepragt,
die Gefasspforte nicht verstrichen.
Ein geradezu pathognostisches Verhalten zeigen die Netzhautvenen.
Trotzdem entziindliche Erscheinungen im Sehnerv und Netzhaut
vollkommen fehlen, sind dieselben um das Doppelte ihres Kalibers
verbreitert, vielfach geschlangelt vom Sehnerv bis in die ausserste
Peripherie. Die grosseren Venen stellen formliche blutige Wiilste dar.
Trotz ihrer prallen Fiillung und Schlangelung zeigen aber die Venen
ein viel helleres Rot; nur ist dieses von einer eigentiimlich schmutz-
igen, hellen, lackfarbenen Nuance. Obgleich sie stellenweise scharf
gezeichnete Reflexstreifen fiihren, heben sich ihre Contouren meist
weicher von der Umgebung ab als die Venenwandungen eines normalen
Hintergrundes.
Die Arterien zeigen normalen Verlauf und normales Kaliber; nur
erscheint auch ihr Farbenton etwas heller, mit einem Stich ins
Orangegelbe und ihre Reflexstreifen sind nicht so scharf ausgepragt.
Die Macula lutea ist deutlich durch einen kleinen rundlichen, dunkel-
roten Fleck gekennzeichnet. — Nirgends, auch nicht in der Peripherie,
sind Blutungen oder Fettherde zu constatieren.
Der geschilderte Refund blieb sich gleich bis in die letzten Monate
herein. Die letzte Spiegeluntersuchung wurde am 6. XII. vorgenommen.
Entziindliche Erscheinungen fehlten auch da noch vollkommen; jedoch
sind ca. 4 Papillen breit vom Sehnerv nach oben aussen in der Nahe
der Vena temporalis sup. einzelne Blutungen aufgetreten, die ein eigen-
tiimliches Verhalten zeigen. Ein von der Umgebung nur matt sich
abhebender, grosserer runder Herd von fast Papillengrbsse er¬
scheint wie marmoriert durch hellrote und gelbliche Flecken und
Streifen von annahernd gleicher Grosse. Nehen diesem liegen noch
2—3 kleinere, mehr dreieckige, hell lividrote Herde, die in ihrer
Mitte einen rundlichen, gelblichen Fleck umschlies.sen.
Ein weiterer Befund besteht in der Anwesenheit sehr zahlreicher,
nur schwer sichtbarer, rundlicher, gelber, glanzloser, regellos zerstreuter
Fleckchen von dem Durchmesser eines Maculargefasses. Sie liegen
schon vereinzelt rings um den Sehnerv, treten aber in grosserer Zahl
erst unterhalb, namentlich aber oberhalb der Macula lutea anf, die
normale Netzhautmitte vorerst noch freilassend. Sie zeigen kein Ab-
hangigkeitsverhaltnis vom retinalen Gefassverlaufe und durften in den
ausseren Netzhautschichten liegen.
M. M., 39 years old, had scarlet fever when a child. His mother
died of cancer of the stomach, his father of apoplexy. Six years
ago patient suffered from a severe attack of fever, since which the
spleen has gradually enlarged. Four years ago, after a long journey
on the Danube, he was taken ill with intermittent fever, at flrst
with daily attacks, which lasted over a year with more or less long
intermissions. The splenic tumor then increased, considerably, in size
but there was a disproportionate loss in body weight (from Dec. 93
to Aug. 94 about 50 kg). In the beginning of 1896 the right leg
became very much swollen; recently he has suffered from profuse
epistaxis and transient condition of weakness.
Patient has been under observation at a dispensary for a long
time. An examination on July 13, 1896 showed :
Marked emaciation; decided distension of the abdomen; bron¬
chitis in the lower lobes; mitral insufflciency; liver much enlarged; on
the right side in the anterior axillary line it reaches to the right
ilium when patient is on his back. Spleen enormously enlarged, very
hard, extends below to left ilium. Length 45 cm., height 25 cm.
No ascites. Lymph nodes not enlarged.
The urine contains some albumen, numerous red and white
blood cells, considerable uric acid in pointed clusters. The blood
contains 2,56 millions of red blood cells in the squ. mm; the leucocytes
number 675,000; relation of the red to the white 4:1. Numerous
large mononuclear myeloid cells, in part with eosinophile granulations,
many nucleated red blood corpuscles.
Patient died on Dec. 12, 96 from paralysis of the heart. The
autopsy confirmed the clinical diagnosis, splenic-myelogenous leucaemia.
The spleen weighed 3,3 kilos, the liver 6,3 kilos. The medulla of
the bone (sternum and left tibia) was soft and dull brownish-red.
The eyes of the patient were examined for the first time on
Sept. 18, 94. The ophthalmoscopic picture was drawn at that time;
the condition has for a long time remained the same, except some
further changes during the last few months.
On both sides; E. V = ®/g Pr. 1. D. Sn. 1. The ophthalmoscopic
images are the same.
Right eye:
There is a striking difference between the color of the hair and
of the fundus. The hair is dark brown, almost black, while the
fundus has a peculiar light yellowish-red color, similar to that of a
blonde person. It is not however that beautiful, lustrous, transparent
red, through which choroidal vessels are visible in places, but a more
clay-like shade especially about and near the disc; even in the
equatorial and peripheral parts the fundus is unusually light yellowish-
red. In the upright image the fundus appears distinctly granular.
The disc presents no particular anomaly in form nor in color;
the nasal border is somewhat more indistinct, because the nasal
half of the disc is redder. The scleral ring is well defined up, out
and down; the vessel-entrance is not hazy.
The retinal veins present a pathognomonic condition.
Although signs of inflammation in the optic nerve and retina are
entirely wanting, the veins are twice as large as usual and tortuous
from the disc to the extreme periphery. The large veins appear like
bloody ridges. Notwithstanding their distension and tortuosity the
color of the veins is a much lighter red, though of a peculiar dull
glaze. Although they carry a distinct reflex-streak in places, their
outlines are not so sharply defined against the fundus as is usual in
normal condition.
The arteries show a normal course and normal calibre; their color
however is somewhat lighter, of an orange-yellow hue, and the reflex-
streaks are not so well defined. The macula lutea is distinctly visible
as a small, round dark-red spot. Nowhere, not even the periphery,
are hemorrhages or patches of fatty degeneration to be seen.
The above-described condition remained the same until within the
last months. The last ophthalmoscopic examination was made on
Dec. 6. Signs of an inflammation were still absent; though 4 papilla-
diameters up and out from the disc near the sup. temporal vein several
hemorrhages had taken place, which show a peculiar- condition. An
indistinct, large, round patch of the size of the papilla appeared
mottled with light red and yellowish spots and streaks of about the
same size. Next to this theie are 2—3 smaller, more triangular, light
red patches which enclose a round yellowish spot.
In addition very many, hardly perceptible, round spots are
visible; they are irregularly scattered, of a dull yellow color and as
broad as a macular vessel. They appear isolated around the disc,
below and especially above the yellow spot they are present in much
greater numbers; the retinal centre is, however, free from them. They
show no connection with the course of the retinal veins and may
be situated in the outer layers of the retina.
OeLler, OpMhabmskopischer Atlas.
c.iah m
!-Druckdrei v.ffSticrtz.Wrcrzbur^-
C. Tab. XV.
Atrophia nervi optici, Obliteratio vasorum retinae oculi dextri.
K. A., 47 Jahre alt, Skribent, wurde am 27. August 1881
von einem von der Nasenspitze aus beginnenden und rasch zuerst
iiber die linke, dann aber auch rechte Gesichtshalfte sich aus-
breitenden Erysipel befallen mit starker Schwellung des oberen
und unteren Tides und Protrusion der Bulbi, sichtbarer Throm-
bosierung der Supraorbital- und Prontalgefasse und mehrfacher
Abseessbildung in der rechten Temporal- und Parietalgegend. Am
12. September wurde die Amaurose des rechten Auges konstatiert
bei intaktem Sehvermogen des linken.*)
L. Auge: E. S. ^/i Pr. 1.5 Diopt.
Das 1893 aufgenommene Spiegelbild des total amaurotischen
rechten Auges ist folgendes:
Brechende Medien rein.
Der Sehnerv ist durch seinen Skierairing scharf gerandert,
rundlich, nur seine nasale Begrenzung erscheint mehr geradlinig;
er ist blendend weiss mit einem Stich ins Griinliche. In den mitt-
leren Partieen des Opticus ist die Fleckung der Lamina cribrosa
deutlich sichtbar. Nur in der oberen Halfte des Sehnerveneintritts
sind Gefasse sichtbar: zwei bedeutend verschmalerte Venen ohne
sichtbare Wanderkrankung und ein fadendiinnes arterielles Stamm-
chen, das nasalwarts zwei kleine Eeiserchen abgiebt, um dann als
Art. temp. sup. bogenformig nach aussen oben zu ziehen. Zu einem
kaum wahrnehmbaren roten Faden verdiinnt ist sie vom oberen
ausseren Sehnervenrande aus doppelt weiss eingescheidet; diese
Einscheidung setzt sich noch eine Strecke weit fort langs eines
ganz zarten, arteriellen Eeiserchens, das vom Hauptaste nach auf-
warts zieht. Die direkte Fortsetzung der Art. temp. sup. stellt
macularwarts nur einen weissen Faden dar, der in seinem Verlaufe
oft nur sehr schwer sichtbar ist. An der gerade nach aufwarts
ziehenden Vene entspringt in geringer Entfernung von der Mitte
des oberen Papillenrandes ein weiterer, weisslicher Faden, der nur
*) Die ausfiihrliche Krankengesohichte und den dainaligen Augenspiegel-
befund siehe: ,Aug. Carl: Zur spezielleren Atiologie der nach Erysipelas Faciei
auftretenden Sehnervenatrophie." Klinische Monatsblatter fur Augenheilkunde
XXII. Jahrgang, April, pg. 113 ff.
in einem etwas geschweifteren Bogen als die obere Schlafenarterie
temporalwarts zieht.
In der ganzen unteren Halfte der Papille vermisst man blut-
fiihrende Gefasse; an deren Stelle sieht man nur 6 weissgelbliche,
fast ganz gestreckt verlaufende, diinne Faden in die Peripherie
hinausziehen. Die meisten dieser Faden sind in der nachsten Nahe
der Papille am deutlichsten zu sehen, wahrend sie in ihrem weiteren
Verlaufe oft nur sehr wenig vom Hintergrunde sich abheben; nur
der nach unten aussen macularwarts ziehende Strang endigt scharf
abgesetzt mit einem leicht kolbig verbreiterten Ende, dessen Eander
von einem Pigmentsaum umgeben sind.
Die nasalwarts ziehenden, kleinen, arteriellen Astchen gehen
ausserhalb des Sehnerveneintrittes sofort in diinne, weisse, schwer
wahrnehmbare Fadchen iiber.
An und um die Macula lutea finden sich ausgedehnte Ver-
anderungen: zunachst einzelne intensiv schwarze unregelmassig
geformte Pigmentklumpen; zwischen diesen und nach einwarts von
ihnen gegen den Sehnerv zu sieht man ein formliches Gewirre
meist kurzer, gelblichweisser,, stellenweise ganz weisser, da und
dort etwas knotig angeschwollener Faden, an chorioideale Gefass-
verlaufe erinnernd und unregelmassig zwischen diesen zerstreut
mehrere kleine gelbweisse Piinktchen; am oberen Eande dieser
Veranderungen zieht sich streckenweise ein grauschwarzer Saum hin.
Ein Herd zahlreicher kleiner eben wahrnehmbarer gelblich¬
weisser Piinktchen und verastelter Fadchen nach oben von den
beschriebenen macularen Veranderungen, und ein ebensolcher Plaque
2 papillenbreit gerade nach abwarts vom Sehnerveneintritt zwischen
zwei obliterierten Netzhautgefassen, der sich noch weiter nach ab¬
warts erstreckt als im Bilde dargestellt ist, diirfte auf Ver-
dickungen in der Limitans int. ret. zu beziehen sein.
Der geschilderte ophthalmoskopische Befund ist offenbar der
Effekt einer mykotischen Thrombusbildung, hervorgerufen durch
Mikroben, die durch die orbitalen Lymphbahnen hochst wahrschein-
lich langs der Gefassscheiden in den Optikusstamm und seine Ge¬
fasse eindrangen. Der Herd an Stelle der Macula lutea diirfte
moglicherweise auch als aus zahlreichen, feinsten, obliterierten
Aderhautgefassen bestehend gedeutet werden.
K. A., 47 years old, clerk, was taken ill on August 27,
1881 with an attack of erysipelas, which commenced at the tip
of the nose and gradually spread over the left half and then the
right half of the face. Both lids became very swollen and the
eye-lids protruded; the supraorbital and frontal vessels were
visibly thrombosed, and numerous abscesses formed in the right
temporal and parietal regions. On Sept. 12 the right eye was
found amaurotic while the vision in the left eye was intact.*)
L. eye: E. V. = ’/i Pr. 1,5 D.
The following is the image presented by the blind eye
in 1893:
Eefracting media clearr
The papilla is sharply defined by its scleral ring, of rounded
outline except the nasal margin which appears rather linear; its
color is dazzling white with a touch of green. In the middle of the
disc the spots of the lamina cribrosa are plainly visible. Vessels are
only to be seen in the upper half of the disc; there are two, very
much diminished veins, without disease of the walls, and a thread¬
like arterial branch. The latter gives off two small branches in
a nasal direction and then proceeds, as the sup. temp, art., in an
arched course upwards and outwards. At the upper-outer discal
margin this artery, diminished to a barely perceptible red thread,
receives a white sheathing which also accompanies a very delicate
arterial twig passing upwards from the main trunk. The direct
continuation of the sup. temp. art. in the macular direction is
represented by a white thread, which is occassionally hardly visible
in its course. Just at the vertically ascending vein, a short distance
from the middle of the upper discal margin, another white thread
*) The complete history of the patient with description of ophthalmoscopic
image is given in: ,Aug. Carl: Zur spezielleren Atiologie der nach Erysipelas
Faciei auftretenden Sehnervenatrophie.' Klinische Monatsblatter ftir Augen¬
heilkunde Vol. XXII, April, pg. 113.
commences to describe a more sweeping curve and passes in a
temporal direction as the upper temp. art.
In the entire lower half of the papilla no blood - conveying
vessels are to be seen; six whitish-yellow, thin threads take their
place and are continued to the periphery, running almost a straight
course. Generally these threads are best to be seen near the
papilla, in their further course they are often but little differentiated
from the background. The lower and outer thread, going to the
macula, terminates by means of a sharply - defined, slightly club-
shaped extremity with a pigment seam about its margins.
The small arterial branches running nasally, immediately
change to thin, white, hardly noticeable threads outside of the
papilla.
There are advanced changes at and about the macula. Between
several intensely black and irregularly shaped pigmentary heaps,
and internally to these in the direction of the papilla, there is
a perfect maze of usually short, yellowish-white in places entirely
white threads, which are here and there swollen and ressemble
choroidal vessels. Numerous small, yellownsh - white spots are
irregularly scattered in between them. Along the upper margin of
this area a grayish-black border is visible for short distances.
A collection of numerous small, just perceptible, yellowish-
white spots and branching threads situated above the macular
changes just described, and a similar plaque 2 papilla - diameters
just below the disc, can be taken to be thickenings in the limitans
int. ret. The latter plaque lies between 2 obliterated retinal vessels
and extends further downwards than is represented in the picture.
This ophthalmoscopic condition is evidently the result of a
mycotic thrombus-formation of bacterial origin; the microbes having
■ penetrated by means of the orbital lymph-channels probably along
the vascular sheaths in the optic nerve trunk and its vessels.
The area in the place of the macula lutea can possibly be con¬
sidered to be made up of numerous fine obliterated choroidal vessels.
Oeller, Ophthalmoslwpischer Atlas.
a TaAIK
Atroplria iiervi optici. Oblileratio Tasoriim retinae.
c.
Erkrankungen der Netzhaut.
Diseases of the Retina.
Tab. XVI.
ANEURYSMATA MILIARIA ARTERIARUM RETINAE.
C. Tab. XVI.
Aneurysmata miliaria arteriarum retinae oculi dextri.
R. J., 18 Jahre alt, Pharmaceut, beobachtete im Sommer 1890
ganz zufallig, dass er auf dem rechten Auge ganzlich erblindet
war. Die eingehendste Anamnese konnte kein weiteres ursach-
liches Moment eruieren, als dass er im 4. Lebensjahre den Schar-
lach durchgemacht hatte. Eine wiederholte interne Untersuchung
ergab stets negative Resultate.
L. Auge: M = 1.75 D. S ®/6 ophtbalmoskop. Refund negativ.
R. Auge: Handbewegung in ca. 1 Mt.; ein schmaler, keil-
formiger Rest des Gesichtsfeldes nach unten aussen erhalten.
Brechende Medien rein; trotzdem ist der Sehnerv nur als
belles, weissrotliches verticales Oval mit etwas unbestimmten
Contouren wie durch einen ihn ringsum umgebenden Nebelschleier
hmdurch zu ahnen. Auch die grosseren Gefasstamme tauchen nur
mit verschwommenen Grenzen im Opticus auf. Ausserhalb der
Papille treten aber samtliche Gefasse, namentlich die temporal-
warts verlaufenden mit aller Deutlichkeit hervor. Gerade die
schlafenwarts ziehenden Gefasse sind eben von einem machtigen
Oedem in den ausseren Schichten der Netzbaut begleitet, das in
einem grossen Bogen die Netzbautmitte umkreist. Langs der oberen
Netzhautgefasse ist das Oedem breiter, diffuser, transparenter, all-
mablig in das Rot der TJmgebung iibergebend; nur oben aussen
im Bilde verdicbtet sicb das Oedem zu einer grossen zusammen-
hangenden weisslicben Flacbe. Langs der unteren temporalen Ge¬
fasse ist das Oedem zu einem scbmaleren, aber desto dicbteren
weissen Strange gescbrumpft, der in einen plastiscb gegen den
Glaskorper vorspringenden Zapfen in der Kobe der Macula und ca.
3 Papillenbreiten von ibr entfernt endigt. An Stelle seiner grossten
Breite (uber 1 Papillenbreite) finden sicb zablreicbe kleine meist
ovale, graublaue Stellen, die wie seicbte Griibcben in einer er-
starrten Masse ausseben.
Die grosseren arteriellen Gefasstamme weisen keine besonderen
Veranderungen auf; die kleineren JSIetzbautarterien dagegen bieten
eigentiimliche Befunde. Ein nach unten aussen abzweigender Ast
der Arteria temp. sup. zeigt ,in einem kurzen Abstande von ein-
ander je zwei an- und iibereinander hangende, rundlicbe, urn das
4—Ofache das Kaliber des Gefasses iibertreffende, rote Sacke mit
einem kleinen centralen weissgelblichen Fleck (wahrscheinlich Re¬
flex). Seitliche Verschiebungen dieser Gebilde oder ein Puls-
phanomen ist nicht wahrzunehmen.
Jenseits der letzten zwei Anhangsel zieht die Arterie von
normalem Kaliber und ohne Wanderkrankung weiter. Namentlich
nach oben von den beschriebenen Gefassausbuchtungen heben sicb
von dem weisslicben Untergrunde des Netzhautodems zablreicbe
Bruchstiicke kleinster eben wahrnehmbarer Gefassreisercben ab,
die hinter der Schichte der grosseren Gefasse gelegen meist in I
knopf- Oder kolbenformige Anschwellungen endigen. Ahnlichen, wenn
auch ma,nigfaltigeren Formen begegnet man von oben aussen her
gegen die durch einen grossen dreieckigen schwarzen Pigmentfleck
gekennzeichnete Macula lutea, in deren TJmgebung der Hintergrund
ein Rot von wechselnder Nuancierung annimmt, vom Grau-Rot
urn die Netzbautmitte zum lehmfarbigen Gelbrot langs der unteren
wie gedeckt verlaufenden Temporalgefasse.
Gerade nach aussen von der Macula zwischen ibr und dem
oberen Ende des beschriebenen Zapfens ist der Hintergrund dicht
bedeckt mit rundlichen, siegelringartigen, spindelformigen, spiralig
gewundenen etc. Gebilden von wechselnder Grosse, teils von
hellroter, toils von dunkelbraunroter Farbe, einzelne mit einem
hellen gelblich weissen Fleck oder Streifen. Die moisten sind scbarf
gezeichnet, einzelne erscheinen verschwommen. Einzelne von ihnen
stellen Fortsetzungen oder Anhangsel kleinster Gefasse dar, die
aber keinen sichtbaren Zusammenhang mit den grosseren Netzhaut-
gefassen erkennen lassen. Wenn auch die meisten der beschriebenen
Gebilde als Aneurysmen verschiedenen Alters zu deuten sind, so
diirften doch einzelne auch auf in Resorption begriffene Blutungen
zu beziehen sein, einzelne als Varicositaten aufgefasst werden miissen.
Spindelformige Erweiterungen eines Astes der Vena temporalis
inf. gerade unter einzelnen aneurysmatischen Erweiterungen eines
kleinen temporalen Arterienastes weisen auf diese Moglichkeit bin.
Ausser dem grossen Pigmentflecke an Stelle der Macula lutea
sind noch zwei kleinere, spindelformige schwarze Pigmentschollen
unterhalb der Netzbautmitte zu constatieren. Einen selten schonen
Anblick gewahrten 2 kleine viereckige, scharfkantige brillant rubin-
rot leucbtende Stellen (in der Reproduction unmoglich wiederzu-
geben); die eine in unmittelbarer Nahe des oberen ausseren Randes
des weissen Zapfens, die zweite mitten unter den eben beschriebenen
Gebilden (offenbar Blutkrystalle).
Im Marz 1891 trat eine Berstung der zwei oberen grosseren
Aneurysmen ein, die eine enorme Blutung in einer TJmgebung von
reichlich 1 Papillenbreite bedingte. Nach ca. ^4 Jahre stellte sicb
Patient wieder vor. Die Blutung war resorbiert. An Stelle der
zwei oberen Aneurysmen waren rechts und links am Gefassrohr
zwei blendend weisse Sacke zu sehen, die, etwas kleiner als die
friiheren Aneurysmen mit einem ganz schmalen weissen Streifen
mit einander verbunden waren, der den Blutstrom scheinbar unter-
brach. Oberhalb und unterhalb dieser Stelle war jedoch die Arterie
vollkommen wegsam, auf eine kurze Strecke jedoch doppelt weiss
eingescheidet. Von den zwei unteren kleineren Aneurysmen des-
selben Arterienastes war keine Spur mehr zu entdecken.
Im Laufe der nachsten Jahre entwickelte sich eine Retinitis pro-
liferans int., die alle geschilderten Details vollkommen iiberwucherte.
R. J., 18 years old, apothecary, noticed accidentally in the
summer of 1890 that his right eye was totally blind. No cause
could be found except scarlet fever which he had in his 4‘'* year.
Repeated medical examinations revealed no abnormity.
L. eye: M. = 1.75 D. V. = ®/6; ophthalmoscopically normal.
R. eye: Movements of hand in ca. 1 m.; a narrow, wedge-
shaped portion of the held was preserved below and outward.
Refracting media cldar; the disc, however, is veiled and ap¬
pears like a light whitish-red vertical oval with rather indefinite
outlines. The larger vascular trunks on the disc also appear in¬
distinctly outlined. Beyond the papilla all vessels, and especially
the temporal ones, are distinct. The latter are accompanied by
marked oedema in the outer layers of the retina and describe
a large arc about the retinal center. The oedema along the upper
retinal vessels is broader, more diffuse, more transparent and passes
gradually over into the surrounding red; but above and outward
in the picture it contracts to a large, continuous, white surface.
The oedema along the lower temporal vessels shrinks to a nar¬
rower and correspondingly denser cord which terminates in a
peg projecting into the vitreous at the level of the macula and
about 3 papilla-diameters distant fromit. There are numerous small,
generally oval, grayish-blue spots at the broadest part of this
oedematous area (about 1 papilla-diameter broad) which ressemble
shallow depressions in a hardened mass. The larger arterial trunks
show no particular change; the smaller retinal arteries on the
other hand a,re vuite particular. A branch of the sup. temporal
artery traveling down and out, shows four red sac-like fofmations
arranged in groups of two, a short distance apart. These struc¬
tures are 4—6 times as broad as the vessel and have a small
central whitish-yellow spot (probably the reflex). They show
neither lateral displacement nor pulsation. Beyond the further two
appendages the artery continues its course with normal calibre and
no disease of the walls. Numerous portions of the smallest, just
perceptible, vascular twigs can be seen above the just-described
vascular dilatations in the white area of retinal oedema. They are
sitauted behind the plane of the larger vessels and terminate in
round or club-shaped swellings. Similar and more variegated
structures are above and to the outer side of the macula. The
latter is in this case represented by a large triangular black pig¬
ment spot. The surrounding fundus is red of varying intensity;
from a grayish-red about the retinal center to a clay-colored yellow¬
ish-red along the indistinct lower temporal vessels.
The fundus external to and between the macula and the
upper end of the above-described projection, is thickly covered
with round, fusiform, spiral, etc. formations of varying size. They
are partly light red, partly dark brownish-red; some have a light
yellowish-white spot or streak. In general they are sharply out¬
lined, though some are indistinct. Some of these structures are
continuations or appendages of the smallest vessels, though are in
no connection with the larger retinal vessels. Most of these struc¬
tures are presumably aneurysms in various degrees of development;
on the other hand some ressemble hemorrhages undergoing ab-^
sorption, others appear to be varicosities.
This is suggested by the fusiform dilatations of a branch of
the inf. temporal vein just below several aneurysmal dilatations
of a small branch of the temporal artery.
In addition to the large pigmented spot in place of the ma¬
cula lutea, there are two smaller, fusiform black pigment-patches
below the retinal center. Two small, square, sharp-edged spots
of a brilliant dark red color cannot be reproduced in the pic¬
ture; one is situated very near the upper and outer margin of
the white projection, the other in the midst of the above-described
structures (evidently blood-crystals).
In March 1891 the two upper and larger aneurysms ruptured;
a large hemorrhage of more than a papilla-diameter in extent re¬
sulted. In three months patient was seen again and the hemor¬
rhage was absorbed. Two small shining sacs to the right and
left of the vessel occupied the place of the two upper aneurysms;
they were smaller and connected by a very narrow white streak
which seems to interrupt the blood-current. Above and below, the
artery is completely patent, though for a short distance it carries
a double white sheath. The two lower and smaller aneurysms of
the artery have entirely disappeared.
In the course of the following year a retinitis proliferans
int. developed, spreading over all the above-described details.
C. Tab.IW.
Aneu^-smata miliaria arteriarum retinae.
c.
Erkrankungen der Netzhaut.
Diseases of the Retina.
Tab. XXV.
RETINITIS PIGMENTOSA.
C. Tab. XXV.
Retinitis pigmentosa ociili dextri.
K. T., 39 Jahre alt, Metzgerswitwe, ist das vierte unter
sieben Kindern nicht blutsverwandter Eltern. Der Vater ist mit
49 Jahren an den Blattern, die Mutter, ca. 58 Jahre alt, an unbe-
kannter TJrsache gestorben. Von den Kindern: 6 Madchen und
1 Knabe, litten nur 2 Madchen (das 4. und 5. Kind) nach Angabe
der Patientin schon seit friihester Jugend an Nachtnebel. Bei der
Patientin wurde schon im 10. Lebensjahre Ketinitis pigmentosa
konstatiert. Sie hat 8 Kinder geboren: 6 lebende, 2 Frlihgeburten.
Von alien Kindern sind nur 2 am Leben geblieben mit vollkommen
gesundeh Augen.
Funktionelle Priifung und Spiegelbild beiderseitsgleich stammen
vom Februar 1895.
Beiderseits: E. S ^/i 2 ,
0.4 Schweigger auf 15 cm.
Enorme konzentrische Einengung des Gesichtsfeldes: oben 8°,
unten 16®, 12® einwarts, 10® auswarts. Farbenperception normal.
Rechtes Auge: Kleine, strahlige hintere Polarkatarakt. Einzelne
zarte, fadenformige Glaskorpertriibungen in den hintersten Schichten.
Der Sehnerv hebt sich als ein hellgrau-rotes, fast schmutzig-
weiss erscheinendes, stehendes Oval von etwas triibem, wachs-
artigem Glanze nicht scharf von den ihn umgebenden sklerotischen
Aderhautgefassen ab. Wenn auch schwer, so ist aber doch mit
Sicherheit ein Bindegewebsring um den ganzen Optikus nachweis-
bar. — Aus der zentralen, weissen Gefasspforte entspringen die
fadendiinnen, grosseren Netzhautgefasse. Sie verlaufen meist ge-
streckt, haben keinen Reflexstreifen und zeigen keine Wanderkrank-
ung, geben aber nur ausserst sparliche, seitliche Aste ab. Kleinere
Xetzhautgefasse sind iiberhaupt, sowohl um den Sehnerv als in
der aussersten Peripherie, nur in sehr beschrankter Zahl aufzufinden.
Die charakteristischen Veranderungen bieten die aquatorialen
und peripheren Partieen des Hintergrundes. In einem liber den
ganzen Fundus gleichmassigen Abstand von 4—5 Papillenbreiten
vom Sehnerv beginnt eine Zone von Pigmentinvasion in die Netz-
haut, die bis in die ausserste Peripherie sich fortsetzt: ein form-
licher Pigmentgiirtel, der sich um die Peripherie des Hintergrundes
legt. Nur einzelne Pigmentformen haben bereits die inneren Grenzen
desselben durchbrochen und schieben sich in die noch pigment-
freien Partien des Hintergrundes herein. Die Form des Pigments
zeichnet sich durch eine gewisse Zierlichkeit aus: man stosst auf
lange Pigmentfaden, im Allgemeinen radiar gegen den Sehnerv
verlaufend, da und dort winklig geknickt und an der Knickungs-
stelle punktformig angeschwollen oder mehr minderlange seitliche
Zweige, oft formliche Pigmentgabeln bildend. Regellos zwischen
diesen Pigmentformen zerstreut, sehr oft aber ihit langen Faden
mit ihnen im Zusammenhang stehend gewahrt man zahlreiche,
spinnenzellenartige Pigmentherde mit zahlreichen langen und kurzen
Auslaufern, die oft formliche Pigmentnetze mit regellosen Maschen
bilden. Nach oben innen, ca. 2 papillenbreit vom Sehnerv, scheint
ein verdlinntes Netzhautgefass direkt in eine Pigmentgabel iiber-
zugehen.
In der aussersten Peripherie des Hintergrundes iiberwiegen
die massigeren, verastelten Pigmentformen, sodass die ZAvischen-
raume zwischen einzelnen Pigmentherden dadurch kleiner werden.
tiber den ganzen Fundus ist das Gewirr der Aderhautgefasse sicht-
bar. In nachster Nahe des Sehnervs umschliessen sie graue oder
graurotliche, weiter gegen die Pigmentzone zu rote Inseln. Nur
um die durch ein gleichmassig diffuses Rot gekennzeichnete Macula
sind Aderhautgefasse nicht sichtbar. Ein grosser Teil der Chorioideal-
gefasse zeigt nicht bloss innerhalb des ganzen Pigmentgiirtels,
sondern auch in den pigmentfreien Zonen des Hintergrundes,
namentlich aber um den Sehnerv herum hochgradige, pathologische
Veranderungen. Sie erscheinen teils gruppenweise in gelbliche
Oder gelblichweisse Strange verwandelt oder ein einzelnes Gefass
zeigt in einer langen Ausdehnung seines Verlaufes zwischen ge-
simden Aderhautgefassen gelblichweisse Wandungen.
Man trifft zahlreiche Stellen, an denen sklerotische Gefass-
scheiden fast plotzlich in ein normales rotes Aderhautgefass liber-
gehen. Eine auffallende Erscheinnng ist der Umstand, dass auch
wieder heerdweise und vor den grossen Aderhautgefassen gelegen
ganz zarte eben wahrnehmbare rote Gefasschen auftreten, die zahl¬
reiche Anastomosen zu einander abgeben und dadurch ein torm-
liches Netz zierlichster Gefasse bilden, offenbar Ubergangsge-
fasse oder Aderhautkapillaren, die infolge der Sklerosierung der
grosseren Aderhautgefasse kollateral starker ausgedehnt sind. Vom
Sehnerveneintritt nach oben innen und innen erscheint der Hinter-
grund ausgesprochen grob rotgekornt als Ausdruck dafiir, dass hier
die Pigmentepithelien offenbar in Zerfall sind.
K. T., 39 years old, widow of butcher, is the fourth among seven
children of parents not related by blood. The father died of
small-pox at 49; the mother of unknown cause when about 58.
Of the children, 6 girls and 1 boy, only 2 girls (the 4 and 5 child)
according to the patient have suffered from night-blindness since
early youth. In the case of the patient retinitis pigmentosa was
diagnosticated in her 10 year. She has given birth to 8 children:
6 living, 2 premature. Of all children only 2 have remained alive
with normal eyes.
The functional examination and ophthalmoscopic image coere
made in Feb. 1895.
On both sides: E. V. = ^/i 2 .
0,4 Schweigger in 15 cm.
Enormous concentric limitation of field; sup.: 8®, inf.: 16®,
int.: 12®, ext.: 10®. Color-vision normal.
Right eye: Small, radiate post, polar cataract. Several deli¬
cate, thread-like opacities in the posterior part of the vitreous.
The papilla appears as a light grayish-red, almost dirty-white,
vertical oval of rather a cloudy waxy lustre, and is not in sharp
contrast to the surrounding sclerosed choroidal vessels. Though
indistinctly, a connective tissue ring can be seen without doubt to
surround the disc. — Large thread-like retinal vessels arise at
the central, white vessel-entrance. They usually pursue a straight
course, with no reflection and no disease of their walls, and give
off very few lateral branches. Small retinal vessels are in general,
as well about the disc as in the periphery, only to be seen in
small numbers.
The characteristic changes are presented by the equatorial
and peripheral regions of the fundus. At a uniform distance of
4—5 papilla-diameters from the disc, throughout the entire fundus,
a zone of pigment-invasion in the retina commences and continues
to the furthest periphery; a complete pigment-belt in fact, embra¬
cing the periphery of the fundus. A few of the pigmentary deposits
have broken through the inner limit and project into the non-
pigmented parts of the fundus. The outlines of the pigment show
a certain grace of form. There are long pigment-threads, in general
running radially to the papilla, occassionally bent at an angle,
where they appear to be somewhat swollen or to give off more or
less long, lateral branches sometimes veritable forks of pigment.
Many pigment-deposits, ressembling spindle cells, lie irregularly
scatterred among these pigment-forms, to which they often are
connected by long threads. They also have many long and short
branches which form nets of pigment with irregular meshes.
Above and internally, at about 2 papilla-diameters from the disc
a contracted retinal vessel seems to be directly continuous with
' a pigment-fork.
In the outer periphery of the fundus the massive, branching
pigment-forms preponderate; the spaces between the various pig¬
ment-deposits thereby appear smaller. The entanglement of choroi¬
dal vessels is everywhere visible. They enclose gray or grayish-
red islands about the papilla, while more externally near the
pigmentary zone the islands are red. Only about the macula,
which appears as a diffusely red area, are choroidal vessels not
visible. A large part of the choroidal vessels present marked
pathological changes in the parts of the fundus internal to the
pigment-belt, especially about the disc, as well as in the non-
pigmented regions. They appear changed in groups to yellow or
yellowish-white bands, or a single vessel shows yellowish-white
walls for a long distance of its course between healthy choroidal
vessels.
A sclerosed vascular sheath can frequently be seen suddenly
to change to a normal red choroidal vessel. A striking appearance
is the presence of delicate, hardly perceptible, minute vessels lying
in groups and in front of the large choroidal vessels. With their
numerous anastomoses they form a network of tiny vessels;
they are probably transitional vessels or capillaries which have
become collaterally distended subsequent to the sclerosis of the
larger choroidal vessels. Above internally and internally to the
papilla the fundus appears roughly granulated in red, presumabl}^
signifying the destruction of the pigmented epithelium.
Oeller, Ophihalmosimpwcher Atlas.
f. Tab. ME
D.
Erkrankungen der Aderhaut.
Diseases of the choroid.
Tab. IV.
GHORIO-RETINITIS. ATROPHIA NERVI OPTICI.
D. Tab. IV.
Chorio-Retinitis. Atrophia nervi optici oculi dextri.
N. A., 30 Jahre alt, Maurersfrau, von ganz gesunden Eltern
stammend, hat als Kind Scharlach und Masern durchgemacht. Ihre
hochgradige Kurzsichtigkeit machte sich schon wahrend ihres Schul-
besuches in ausserst storender Weise geltend.
In ihrem 18. Jahre wurde sie von einer Gehirnentziindung
befallen, dieeinen 18 wochentlichenSpitalaufenthalt notwendig machte.
Erst mit ihrem 20. Jahre wurde sie menstruiert. Ein zwei Jahre
darauf erfolgter Abortus hatte lang dauernde Schwachezustande zur
Folge. Ihre im 23. Jahre eingegangene Ehe blieb bisher kinderlos.
Nach einem im Herbste 1892 iiberstandenen Magenleiden trat
im Winter desselben Jahres, fast iiber Nacht, eine ganz bedeutende
Abnahrne des Sehvermogens beider Augen ein, urspriinglich ohne
Storung des Allgemeinbefindens, bis spater auch heftige Kopf-
sphmerzen an Stirn und Schlafe sich dazu gesellten. Nach zwei
Monaten stellte sich auf dem linken Auge das Sehvermogen teil-
weise wieder her, wahrend das rechte Auge fast vollkommen er-
blindete. Nach 3jahrigem relativem Wohlbefinden trat im Juni d. J.
eine ziemlich betrachtliche Heiserkeit ein.
Eine am 16. IX. 96 vorgenommene interne Untersuchung ergab:
Linke Lungenspitze verkurzt; auf der ganzen linken Lunge
katarrhalische Gerausche; Parese der Muse, thyreo-arytanoid. int.,
Schwellung des rechten Taschenbandes, Injektion beider Stimm-
bander und Verdickung des rechten Stimmbandes nahe der vorderen
Commissur. Herz, Mere, Nervensystem normal; fiir Lues keine
Anhaltspunkte. Interne Diagnose: Phthisis pulm. et laryngis.
Die funktionelle Priifung und das ophthalnioskop. Bild stammen
vom Ende Januar 1896.
Linkes Auge: iibermittelweite Pupille; trage Reaktion. M. =
— 10 Dioptr., S. ^/i8, N. 3 auf 9 Ct. miihsam.
Rechtes Auge: S = 0; reaktionslose Pupille; leichter Strabis¬
mus convergens.
Der Augenspiegelbefund zeigt auf beiden Augen nur graduelle
V erschiedenheiten.
Rechtes Auge:
Der Sehnerveneintritt stellt ein helles, unbestimmt contouriertes
vertikales Oval dar; die temporale Halfte erscheint in einem warmen
grauweissen Farbentone, der in der nasalen Halfte in ein blendendes'
Weiss iibergeht. Wahrend die obere, innere und untere Grenze
vollkommen verschwommen erscheint, ist nach aussen der Skleral-
ring, wenn auch undeutlich, sichtbar.
Nach der nasalen Seite sieht der Sehnerv wesentlich ver- ■
breitert aus dadurch, dass ohne merklichen Grenzsaum ein Haufen
schmaler, weisslicher, meist vertikal verlaufender Strange (sklero-
tische Aderhautgefasse) sich ansetzt. Trotz der star ken Vergrosse-
rung des aufrechten Bildes im myopischen Auge sind Arterien wie
Venen bedeutend verengt, ohne Wanderkrankung und ohne Reflex-
streifen.
Der Sehnerv bietet also die Erscheinungen der sog. retini-
schen Atrophie. Der Grand fiir diese sekundare Affektion des
Sehnervs liegt in einer Entzundung der inneren Schichten der Ader-
haut. In geringer Ausdehnung nach innen, oben und aussen, in
grosserer Ausdehnung aber nach unten vom Sehnerv fehlt das
Pigmentepithel, sodass das Stroma der Aderhaut bios liegt. Wah¬
rend nun nasalwarts, namentlich aber temporalwarts vom Sehnerv
die Intervascularraume scharfer gezeichnet und dunkel grauschwarz
erscheinen, sind die Gefasszwischenraume, besonders nach abwarts
vom Opticus, heller, graugelblich, unbestimmt begrenzt (Zerfall der
pigmentierten Stromazellen). Nach dieser Richtung fehlen entweder
Chorioidealgefasse und an ihrer Statt sieht man gelblich-weisse,
nicht scharf begrenzte Strange, oder die Aderhautgefasse sind ver-
diinnt und von gelblich-weissen Scheiden begleitet. Dadurch er¬
scheint der Hintergrund nach abwarts vom Sehnerv ganz hell
gefleckt. Nirgends aber sind weisse, die Sclera blosslegende Stellen
in der Chorioidea oder Pigmentschollen zu sehen.
Die Einscheidung der Aderhautgefasse ist eine Erscheinung,
die iiber den grossten Teil des Augenhintergrundes verbreitet ist.
Selbst die grossten Aderhautgefasse, so eine auffallend nahe dem
Sehnerveneintritt nach unten innen austretende Wirbelvene, sind
von hellgelblichrothen, schmalen, aber nie scharf contourierten Streifen
begleitet. Dieses ophthalmoskopische Symptom wird in seiner Deut-
lichkeit nur einigermassen beeintrachtigt in jenen Partien des Hinter-
grundes, in welchen dieser rot und das die Gefasse deckende Pig¬
mentepithel erhalten ist, wie an den macularen Partien. Aber selbst
an diesen Stellen gewahrt man hinter dem Pigmentepithel zwischen
den dunkleren, unbestimmt begrenzten Gefasszwischenraumen hellere,
gelb-rotliche, verwaschene Saume langs der Aderhautgefasse.
N. A., 30 years old, wife of a mason, of healthy parentage,
had scarlet fever and measles when a child. She was troubled
with a high degree of myopia in her early school years. In her
18*** year she was taken ill with meningitis and remained in a
hospital for 18 weeks. Menstruation commenced in her 20*** year.
Two years later she had an abortion from which she recovered
very slowly. She married when 23 and has had no children.
In the fall of 1892 she suffered from gastritis. In the winter
of that year a decided diminution of vision in both eyes set in,
almost over night. A1 first her general health remained good,
later she had severe pain in the forehead and temple. After
2 mouths the vision in the right eye partially returned, but the
left eye became totally blind. During 3 years patient enjoyed
fairly good health; in June of this year a rather severe hoarseness
began.
On Oct. 16, 1896 a physical examination showed: apex of
left lung retracted; over the entire left lung catarrhal sounds;
paresis of the int. thyro-arytenoid, swelling of the right false
vocal cord, both vocal cords are congested and the right one is
thickened near the ant. commissure. Heart, kidneys and nervous
system are normal; no evidence of syphilis. Medical diagnosis:
Tuberculosis of lungs and larynx.
The functional examination and the ophthalmoscopic drawing
were made in the end of January 1896.
Left eye:- dilated pupil, sluggish. M = —10 D. V = “/is,
N 3 in 9 cm, slowly.
Right eye: V = 0, immovable pupil; slight strabismus con¬
vergens.
The ophthalmoscopic images of the two eyes differ only
in degree.
Right eye:
The disc is a bright, ill defined vertical-oval, the temporal
half is deep grayish-white in color,' the nasal is shining white.
The upper, inner and lower borders are. indistinct, to the outer
side the scleral ring can just be seen.
In a nasal direction the papilla appears enlarged owing to
a contiguous collection of narrow, white strands, running usually
in a vertical direction (sclerosed choroidal vessels). The arteries
and .veins are decidedly contracted notwithstanding the great en¬
largement of the upright image in a myopic eye; they show neither
disease of the walls nor reflex streaks.
Thus the papilla presents the appearance of a so called
retinal atrophy. The reason for the secondary affection of the
disc is the inflammation in the inner layers of the choroid. The
pigment epithelium is wanting to a slight extent in the inner
upper and outer vicinity of the disc, but to a greater extent in the
lower, and the stroma of the choroid is laid bare. The intervas-
cular spaces to the nasal and especially to the temporal side of
the disc are well defined and grayish-black in color, elsewhere
and particularly below the disc they appear paler, grayish-yellow
and not sharply outlined (degeneration of the pigmented stroma-
cells). In the latter region the choroidal vessels are either wanting
and replaced by yellowish-white indistinct strands or the choroidal
vessels are diminished and accompanied by yellowish-white sheaths.
On this account the fundus below the optic nerve appears brightly
mottled. No white patches of choroidal atrophy and no accumu¬
lations of pigment can be seen.
The vagination of the choroidal vessels appears throughout
the greater part of fundus. Even the largest choroidal vessels,
as for example the vortex vein situated below and inwards and
unusually near the disc, are accompanied by light yellowish-red,
narrow, but indistinctly outlined stripes. This ophthalmoscopic
appearance is less clear in places where the fundus is red and
where the pigment epithelium is preserved, as in the macular
region Even in these places paler, yellowish-red, indistinct borders
can be seen along the choroidal vessels between the dark, ill-
defined intervascular spaces behind the pigment epithelium.
Oeller, OphthabnnskapwAcr Allas.
D. Tab. m
Chorio-Keliiiitis. Atrophia neivi oplici.
Vcjn. ^T.F.Bei'grnanrtj ’WtesbaAen.
i'
I
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I:
s^:'.
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}
D.
Erkrankungen der Aderhaut.
Diseases of the ehoroid.
Tab. XI.
STAPHYLOMA POSTICUM ANULARE. CHORIOIDITIS CENTRALIS.
D. Tab. XL
Staphyloma posticum anulare. Chorioiditis centralis oculi dextri.
F. M., 54 Jahre alt, Schuhmacherswitwe, war schon vor dem
Schulbesuche hochgradig kurzsichtig. Hire Eltern und fiinf 6e-
schwister batten aber vollkommen normale Augen. Von ihren
vier Kindern ist nur ein lljabriger Sohn schwach kurzsichtig. Vor
ihrer Verheiratung Dienstmadchen will sie durch ihre Kurzsichtig-
keit in ihrer Arbeitsfahigkeit nie besonders beeintrachtigt gewesen
sein. Erst mit ihrem 40. Lebensjahre griff sie zu einer Brille
(— 14 Dioptr.). Wahrend sie in friiheren Jahren fur die Nahe
ein vorziiglicbes Sehvermogen besessen haben will, trat vor zwei
Jahren eine bedeutende und rasch zunehmende Verschlechterung
des Sehvermogens und ein sehr storendes Krummsehen, namentlich
des rechten Auges ein, wesswegen Patientin am 31. III. 96 augen-
arztliche Hilfe aufsuchte.
Linkes Auge:
M. — 18 D. S. ®'36, Nieden 1 auf 5 Ct.
Medien rein; vertikal-ovaler Sehnerv; Staphyloma posticum
anulare: nasalwarts nur einen schmalenweissenStreifen, nach aussen
aber eine fast papillenbreite, scharf geranderte, blendend weisse
Sichel darstellend. An Stelle der Macula lutea ein grosser, runder,
graubrauner, wie poros aussehender Fleck; kleine gelblich weisse
Streifen in seiner nachsten Umgebung.
Rechtes Auge:
M. — 14 D., S. ^/se, Nieden 11 auf 5 Ot. muhsam.
Einzelne punkt- und fadenformige Glaskorpertriibungen.
(Aufrechtes Bild mit dem Planspiegel gezeichnet und gemalt).
Infolge der starken Vei’grosserung im myopischen Auge er-
scheint der vertikal-ovale Sehnerv auffallend gross, nach alien
Richtungen scharf gerandert. Die nasale Halfte ist viel heller,
weiss-rotlich, die temporale tiefer rosa-rot. Langs des temporalen
Opticusrandes zieht sich ein schmaler, tief grauroter Schattenton
bin als Beweis des Bestehens einer seichten Vertiefung hinter dem-
selben. Die in den Sehnerv eintauchenden Venen erscheinen der starken
Vergrosserung entsprechend auch breiter, aber ohne Reflexstreifen. Die
Arterien dagegen, ebenfalls ohne Reflexstreifen, weisen eine absolute
Yerkleinerung Hires Kalibers auf. Namentlich die kleineren Netz-
hautgefasse zeichnen sich durch einen auffallend gestreckten Ver-
lauf aus. Nasalwarts ist der Sehnerv von einem blendend weissen.
schmalen Streifen, dem Skleralringe begrenzt. Temporalwarts setzt
sich aber an den Sehnerv eine ca. ^js papillenbreite, gleichmassig
weisse Sichel an, die durch eine graue Contour von der Um¬
gebung ^bgesetzt ist. Erst auf diese Sichel folgt eine den Opticus
in einer Ausdehnung von ^/2 Papillenbreite ringsum umgebende
grau-weiss gefleckte, scharf geranderte, meist grauschwarz ein-
gesaumte Flache, die nach unten innen vom Sehnerv nach einer
leichten Einschniirung noch einen dreieckigen Fortsatz zeigt (im
Bilde nur teilweise noch zu sehen).
Die Flache weist das Licht stark reflektierende, weisse Streifen
der verschiedensten Breite und Verlaufsrichtung auf: parallel ziehende
und sich iiberquerende, die an chorioideale Gefassbahnen erinnern.
Sie umschliessen zahlreiche grauliche Felder der mannig-
fachsten Form und Grosse. Da und dort heben sich vom weissen
Untergrunde noch erhaltene diinne Aderhautgefasse ab, entweder
am Rande der weissen Flache scheinbar plotzlich unterbrochen,
Oder ununterbrochen fiber denselben in das Rot des umgebenden
Hintergrundes hiniiberziehend.
Die Macula lutea und ihre nachste Umgebung bieten hoch-
gradige Veranderungen. Gerade in der Netzhautmitte liegt hori¬
zontal ein biconvexer, schwarzer Pigmentherd von fast Papillen¬
breite, ein braunrotes Centrum umschliessend. Nach drei Seiten
ist derselbe von einer grossen, scharfbegrenzten, diinnen, durch-
sichtigen Blutlache umgeben. sodass man durch dieselbe hindurch,
namentlich von unten herauf. hellere Streifen an den Pigmentherd
heranziehen sieht. Am Rande der Blutung gehen diese Streifen
in blendend weisse oder geblich-weisse Strange der verschiedensten
Grosse fiber, die durch ihren meist parallelen Verlauf, die zahl-
reichen Anastomosen und die graugelblichen Zwischenraume an
sklerotische Aderhautgefasse erinnern. In einer grossen Ausdehnung,
in welcher auch das Pigmentepithel fehlt, bedecken sie ringsum
die Gegend der Netzhautmitte bis zu der den Sehnerv umschliessen-
den weissen Flache heran. Sehr vereinzelte rote Aderhautgefasse
heben sich von ihnen deutlich ab.
Ausserhalb der geschilderten Veranderungen um Nerv und
Macula erscheint der fibrige Hintergrund hellroth, wie der eines
blonden Individuums, nur da und dort ein Aderhautgefass durch-
schimmern lassend.
F. M., 54 years old, widow of a shoemaker, was highly my¬
opic even before going to school. Her parents and her five brothers
and sisters had healthy eyes. Of her four children only one 11
year old boy is slightly myopic. Before her marriage she was
a domestic and claims that her myopia did not interfere with her
duties. She commenced to wear glasses (— 14 D.) in her 40
year. Her near-vision in former years had always been excellent,
but two years ago a decided and rapidly-increasing impairment of
vision and a very annoying metamorphopsia set in, especially in
the right eye, so that patient sought relief on March 31, 96.
Left eye:
M. — 18 D. V. ^/se, Nieden 1 in 5 cm.
Media clear; disc vertically oval; staphyloma posticum annu¬
lare ; represented nasally by only a narrow white streak, externally
by a sharply-outlined, brilliant-white crescent of almost the breadth
of the disc. A large, round, grayish-bi’own spot, appearing per¬
forated, occupies the place of the macula lutea; it is immediately
surrounded by small yellowish-white streaks.
Right eye:
M. — 14 D., V. ^36, Nieden 1 in 5 cm with difficulty.
Several punctate and filiform opacities of the vitreons. (The
plane mirror was employed in drawing and painting the upright
image.)
Owing to the great enlargement in the myopic eye, the ver-
tically-oval papilla appears unusually large and sharply outlined
in every direction. The nasal half is much brighter, whitish-red,
the temporal deeper pinkish-red. There is a narrow, deep grayish-
red shadow along the temporal margin of the disc signifying the
presence of a shallow depression. The veins which outer the
papilla appear broader, proportional to the great enlargement, but
without reflex streaks. The arteries however, also without reflex
streaks are diminished in calibre. The small retinal vessels in
particular show a strikingly straight course. On the nasal side
the disc is limited by the scleral ring, a shining, white, narrow
streak; on the temporal side of the disc there is an evenly-white
crescent of about Vs of a papilla in breadth distinguished by a
gray outline from its surroundings. A grayish-white area com¬
pletely surrounds the disc and these structures to a distance of
Va a papilla. It has a sharply-defined, grayish-black border and
becomes constricted below and internal to the disc before giving
off a triangular projection (only partly to be seen in the drawing).
This area contains bright white streaks of the most varying
breadth and direction; they are parallel or cross one another and
ressemble choroidal vessels.
They enclose many grayish patches of manifold form and
size. In places their choroidal vessels that have been preserved
can be seen they appear either to close suddenly at the border
of the white area, or to continue their course without interruption
into the surrounding red fundus.
Extensive changes are to be seen at and about the macula.
A horizontal, oval collection of black pigment occupies the center
of the retina; it is almost of a papilla broad and contains a
brovmish-red center. In three directions it is surrounded by a
large, sharply-defined, thin transparent patch of blood, throngh
which bright streaks can be seen passing, especially from below
upwards, to the pigmented mass. At the margin of the hemor¬
rhage these streaks change into shining white or yellowish-white
striae differing greatly in size and ressembling sclerosed choroidal
vessels by their chiefly parallel course, their numerous anastomoses
and the grayish-yellow intervascular spaces. They extend over
as large area surrounding the centre of the retina and reaching
the white surface about the disc. A few isolated choroidal vessels
can be seen on this area free from pigmented epithelium.
External to these changes about the disc and macula, the
fundus appears light red like that of a blonde person and only
here and there admits of a choroidal vessel to be seen.
I
Oeller, OphthahmskojnsAer Atlas.
B.TahU:
J OclJnr.jiiTix.
StaplijloTiiaposticiiin anulare. Ckorioidiiis centralis.
, 'WUsbaden,.
D.
Erkrankungen der Aderhaut.
Diseases of the ehoroid.
Tab. XIV.
SCLEROSIS VASORUM CHORIOIDEAE. ATROPHIA NERVI OPTICI.
D. Tab. XIV.
Sclerosis vasorum chorioideae. Atrophia nervi optici oculi dextri.
B. G., 57 Jahre alt, Taglohner, von Kinderkrankheiten ver-
schont gebheben, erlitt in seinem 28. Lebensjahre infolge eines
schweren Sturzes eine GehirnentzUndung, die ihn 1^2 Jahre ans
Bett fesselte. Schon seit dieser Zeit will Pat. eine Abnahme des
Sehvermogens des linken Auges bemerkt haben, wahrend auf dem
rechten Auge erst seit 4 Jahren eine gewisse Schwache sich fuhl-
bar machte. 1872 machte er einen langdauernden, heftigen Magen-
darmcatarrh, 1878 eine Brustfellentziindung und im Mai 1896 einen
schweren Gelenkrheumatismus durch, der jedoch in atiologischer
Beziehung nicht in Betraeht kommen kann, da die zu schildernden
ophthalmoskopischen Veranderungen schon vor 4 Jahren constatiert
wurden.
Die sorgfaltigste interne Untersuchung konnte nicht die o-e-
nngste Anomalie constatieren.
Linkes Auge:
Finger miihsam in V 2 Mt.
Eechtes Auge:
• 1 ^ + 2-75 Nieden 1. Ge-
sicJitsield und Parbenperception normal.
_ Ophthalmoskopischer Befund beiderseits nur graduell ver-
schieden.
Rechtes Auge:
Sehnerv rund, scharf gezeichnet mit deutlichem Scleralring;
aussere Halfte des Opticus weiss mit einera Stich ins Griinliche:
in temporalen Halfte Fleckung der Lamina cribrosa deutlich
sichtbar. Nasale Halfte des Sehnervs ebenfalls sehr hell, aber mit
einem_ deutlichen rosaroten Anfluge; nirgends eine Niveaudifferenz.
Arterien wie Venen bedeutend verdiinnt, ohne Wanderkrankung,
zeigen deutliche Reflexstreifen; kleinere Netzhautgefasse sehr spar- I
lich. Das auffallendste ophthalinoskopische Symptom ist ein Kranz
entarteter Aderhautgefasse, der den Sehnerv direct umgibt. Nach
unten und unten innen ist derselbe ca. 1 Papille breit, nach den
anderen Richtungen ca. V* Papille breit. Die Chorioidealgefasse
liegen hier vom Pigmentepithel entblosst nackt zu Tage. Die
kleineren Aderhautgefasse scheinen ganz solide, weisse Strange
darzustellen, wahrend an den grosseren Chorioidealgefassen ein cen¬
tral verlpfender, dunner, roter Paden beiderseits von einem weissen
Saume eingescheidet ist von annahernd derselben Breite. Die weisse
Einscheidung der Gefasse geht an der Grenze des Herdes oft ganz
unvermittelt in ein normales, rotes Aderhautgefass iiber. Zwischen
und auf den sclerosierten Gefassen liegen meist in ziemlicher Nahe
des Opticus sparliche kleine, rundliche schwarze Pigmentklumpchen.
Mach unten aussen vom Sehnerv erscheint ein kleines Nest von
Aderhautgefasse!! heller wie die sie umgebenden Gefasse, rotlich-
gelb, olferibar den Beginn der Gefasserkrankung darstellend. Zwei
kleme Pigmentherde liegen dieser SteUe bereits auf.
In der Gegend der Macula lutea stosst man auf einen grosseren
und einen kleineren weisslichen Herd, einen Knauel vielfach ge-
wund^er dunner Faden bildend. Einzelne von diesen erscheinen,
vom Pigmentepithel entblosst, blendend weiss, andere dagegen
vom Epithel noch bedeckt, weiss-rotlich.
An einzelnen Stellen des grosseren Herdes ist das Pigment
der Epithelschichte offenbar in Wucherung, da langs einzelner
weisser Faden grauschwarze Samne sich hinziehen. Offenbar handelt
es sich um eine scharf umschriebene Sclerosierung von Aderhaut-
capillaren.
In den iibrigen Partien des Hintergrundes, der das Bild aus-
gesprochener Tafelung bietet, ist keine weitere Anomalie mehr zu
constatieren.
B. G., 57 years old, day-laborer, has had no disease of child¬
hood; in his 28“* year after a severe fall he was ill with meningi¬
tis and had to keep to his bed for 1^2 years. At that time, he
noticed an impairment of the vision in the left eye, his right eye
however did not seem to weaken until 4 years ago. In 1872 he
suffered from a protracted, severe gastro-duodenitis, in 1878 he had
pleurisy and in May 1896, severe articular rheumatism. This last
disease cannot be regarded an etiological factor in the eye trouble
as the ophthalmoscopic changes were recognised 4 years ago.
A most thorough medical examination was unable to show
the slightest anomaly.
Left eye:
Fingers in 1/2 m. with difficulty.
Right eye:
V =*/8, with + 1 D V 3 / 4 ; with + 2,75 Nieden 1. Field and
color-sense normal.
The ophthalmoscopic conditions of both sides differ only in
degree.
Right eye:
The disc is round, sharply-outlined with a distinct scleral
ring; the outer half is white with a tinge of green; in the tem¬
poral half the mottling of the lamina cribrosa is plainly visible.
The nasal half of the disc also is very light in color, but with a
distinct hue of pinkish-red; there is no difference in level. Arteries
as well as veins are markedly contracted without disease of the
walls, and present a distinct reflex-streak; there are very few
smaller retinal vessels. The most striking ophthalmoscopic appear- |
ance is a zone of degenerated choroidal vessels which immediately
surrounds the disc. This lower-inner zone has breadth of almost
fte papilla, in all other directions it is about 1/4 papilla broad.
The choroidal vessels are exposed, owing to the absence of the
pigment epithelium. The small choroidal vessels appear as solid,
white cords; the larger choroidal vessels are converted into tbin |
red threads bounded on each side by equally broad seams. The
white-sheathed vessels at the limit of this area pass directly into
normal, red choroidal vessels. A few, round deposits of black
pigment are situated between and on the sclerosed vessels, chiefly
in the proximity of the disc. A small collection of choroidal vessels
is situated down and out from the optic nerve; it is reddish-yellow,
somewhat lighter in color than the surrounding choroidal vessels,
and evidently shows the beginning of vasculardisease. Two small
pigment spots are to be seen in this area.
In the region of the macula lutea there is a large and a
small white area, composed of a group of tortuous white threads.
Some of these, lacking the pigment epithelium, appear shining
white, others however, where the epithelium is still intact, are
whitish-red.
A.t several places in the large area the pigment of the retinal
epithelium is evidently in a hypertrophied condition and accompanies
several white threads in the form of grayish black borders. Ob¬
viously, this is a case of sharply circumscribed sclerosis of choroidal
capillaries.
The remaining parts of the fundus, appear mottled and show
no further anomaly.
Oell^r, OphOialmoskopmher Atlas.
1). Tab. XJK
l<gl.Vhi^rers-I>r-Mkeretv:ir.Stii^
I
0
D.
Erkrankungen der Aderhaut
Diseases of the ehoroid.
Tab. XVIII.
TUMOR CHORIOIDEAE.
D. Tab, XVIII.
Tumor chorioideae oculi sinistri.
E. M., 37 Jahre alt, Kaminkehrersfrau, erlitt am 16. September
1894 einen Abortus mit ausserst heftigen Blutungen, von deren Eolgen
sie sich nur sehr langsam erholte. Es ist das 7. Kind gewesen;
3 Kinder sind innerhalb des ersten Lebensjahres an Magendarm-
katarrh gestorben; 3 Kinder leben noch und sind gesund. Die Erau
hat nach ihrer Angabe noch nie eine ernstere Erkrankung durch-
gemacht.
Seit dem Abortus will sie nun auf dem linken Auge schlechter
sehen. Bei ihrer Vorstellung im August 1895 wurde konstatiert:
R. Auge: E. S. ; Nieden 1 in 25 cm. Ophth. Befund negativ.
L. Auge: Etwas trage Pupillarreaction.
E. S ®/36; Nieden 7 in 16 cm.
Die Gesichtsfeldaufnahme ergiht ein annahernd nierenformiges,
absolutes Skotom um den blinden Fleck: von 12“—40“ IX., nach
oben von XI 20 “—X 50 “, nach unten von VII 15“—X 30 “.
T normal.
Das hervorragendste Symptom ist eine bedeutende Hervorwolb-
ung der Netzhaut: ein Netzhautbuckel gerade oberhalb des oberen
Sehnervenrandes.
Die Niveaudifferenz zwischen Opticus und der am starksten
prominenten Stelle der Retina betragt 6 D.
Der Breitedurchmesser der Ablosung' uberwiegt den Hohen-
durchmesser. 4:3 Papillenbreiten.
Die abgeloste Netzhaut zeigt nach keiner Richtung eine scharfe
Demarkationslinie, nur nach oben innen besteht eine scharfere
leicht grauschwarz pigmentierte Grenzcontour. Die hiigelige Her-
vorwolbung der Netzhaut flacht sich ganz allmahlig nach alien
Richtungen ab. Ein hellgraulich-weisses Netzhautodem setzt sich
namentlich langs des inneren Sehnervenrandes noch eine Strecke
nach ahwarts langs der nasalen Gefasse hin fort.
Die vorgebauchten Netzhautpartieen erscheinen eigentiimlich
gefleckt; helle, weissliche Ziige, bogenartig eingezogene Streifen,
die teils unbestimmt, teils scharfer kontouriert, im grossen Ganzen
concentrisch zum oberen Optikusrand verlaufen, wechseln mit hell-
graurotlichen und gelblichen Inseln ab; stellenweise erinnert das
Bild an sich schlagende Wellen. Die Netzhaut liegt fest auf
ihrer Unterlage auf; nicht das geringste Erzittern ist bei den
verschiedenen Bewegungen des Auges nachweisbar.
Bei Einstellung auf diesen Netzhauthugel erscheint der Seh-
nerv mit ganz unbestimmten Contouren als eine rundliche, rotliche
Masse mit ausgesprochener centraler, weisser Gefasspforte. Sein oberer
Rand fallt in einen ziemlich breiten, braunrotlichen Schatten, der
zwischen den oberen Sehnervenrand und die sich vorwolbende Netz:
hautpartie sich lagert. Die aus der oberen Opticushalfte aus-
tretenden Gefasse erscheinen unbestimmt, verschmalert, werden
aber beim Anstieg auf die vorgebauchten Netzhautpartieen plotz-
lich breiter, scharfer contouriert, mit markanten Reflexstreifen ver-
sehen und heben sich in der ganzen Ausdehnung der losgelosten
Netzhaut besonders scharf vom weisslichen Untergrund ab; jenseits
derselben verlieren sie wieder ihre Reflexstreifen und die Scharfe der
Contouren. Nirgends zeigen sie in ihrem Verlaufe eine abnorme
Schlangelung oder teilweise Unterbrechung.
Die aus der unteren Sehnervenhalfte entspringenden Gefasse
erscheinen hei Einstellung auf den Opticus vollkommen verwaschen.
In einer Entfernung von ca. 2 Papillenbreite gewahrt man
oberhalb des oberen Sehnervenrandes drei grauschwarze, kleine
Pigmentflecke, wie unterhalb der Netzhaut gelegen. Irgend welche
weitere Details, Aderhautgefasse oder Gefasse eines Tumors, sind
unter der vorgebauchten Retina nicht zu konstatieren.
Die buckelartige Hervorwolbung der Netzhaut, das Fehlen
des Netzhautzitterns, der wahrend einer monatelangen Beobachtungs-
dauer constante Sitz der Netzhautablosung gerade oberhalb des
Sehnervs, das typische Verhalten der Netzhautgefasse diirften aber
die Diagnose eines Chorioidealtumors auch sichern, trotzdem die
Enucleation verweigert wurde.
Die interne Dntersuchung der Patientin ergab weder am
Neryensystem noch an Lunge, Herz und Nerven irgendwelchen
pathologischen Befund. Der Hamoglobingehalt des Blutes betragt
80 “/o; mikroscopisch ist im Blute nichts Pathologisches nachweisbar.
E. M., 37 years old, wife of a chimney-sweep, had an abortion
on Sept. 16, 1894 with a very severe hemorrhage, from which she
recovered slowly. It was the 7th child; 3 children died from gastro-
duodenitis within the first year; 3 are alive and healthy. Ac¬
cording to her own statement she has never been severely ill.
She thinks that sight in the left eye has not been so good
since the abortion. The following was the condition found on her
first visit in Aug. 1895.
R. eye: E. V. = Vi; Nieden 1 in 25 cm. Ophth. exami¬
nation negative.
L. eye: Pupil reacts somewhat sluggishly. E. V. = ^/se;
Nieden 7 in 16 cm.
Examination of the visual field shows a kidney-shaped abso¬
lute scotoma about the Wind spot; of 12“—40“ IX, above XI
20“-X50«, below VII 15“ —X30“.
T normal.
The most striking appearance is a decided protrusion of the
retina: a retinal hump just above the upper discal margin.
The papilla and the most prominent part of the retina show
a difference in level of 6 D.
The breadth of the detachment is greater than its height.
4 : 3 papilla-diameters.
The detached retina nowhere shows a sharp line of demar¬
cation, only above and internally is there a distinct light grayish-
black pigmented border. The irregular elevation of the retina
descends gradually in every direction. A light grayish - white
retinal oedema is continued along the inner margin of the disc and
then along the nasal vessels.
The protruding retinal parts appear peculiarly spotted; light-
colored, whitish outlines, curved streaks partly indistinct, partly
well defined, in general airanged concentrically to the upper papil¬
lary margin alternate with light grayish-red and yellow islands;
in places recalling the picture of breaking waves. The retina
adheres firmly to its support; not the slightest trembling is noti¬
ceable during movements of the eye.
In the focus for this retinal elevation, the papilla appears
as a round, red mass, indistinctly outlined, with a marked central,
white vascular funnel. Its upper margin lies within a rather
broad, brownish-red shadow between the upper papillary border
and the protruding part of the retina. The vessels emerging from
the upper half of the disc appear indistinct and contracted, but
on their ascent over the prominent parts of the retina they suddenly
become broader, more sharply outlined and show a marked reflex
streak. Throughout the detached part of the retina the vessels
remain in sharp contrast to the white back ground beyond this
they again lose their reflection and sharpness of outline. In no
part of their course do they show an abnormal tortuosity or par¬
tial interruption.
The vessels emerging from the lower half of the disc appear
quite indistinct during adjustment for the disc.
At about 2 papilla-diameters above the disc there are 3 small
grayish-black spots of pigment, which appear to lie below the
retina. No further details, like choroidal vessels or vessels of a
tumor, are to be seen on the prominent part of the retina.
The hump-like protrusion of the retina, the absence of trem¬
bling, the position of the retinal detachment remaining constant
just above the disc during a period of observation lasting one
month, and the typical course of the retinal vessels confirm the
diagnosis of a tumor of the choroid, though the enucleation was
refused.
The medical examination of the patient failed to show any
affection of the nervous system or of the lungs, heart and kidneys.
The blood contains 80 “/o haemoglobin; the microscopic examination
of the blood is negative.
Oeller, Ophthdtnwslmpischer Atlas.
I). Tah.Xm.
Tirnior clioiioideae.
D.
Erkrankungen der Aderhaut.
Diseases of the choroid.
Tab. XIX.
RUPTURA CHORIOIDEAE.
D. Tab. XIX.
Ruptura chorioideae oculi sinistri.
Frau M. K., 37 Jahre alt, Biiglerin, friiher nie augenleidend,
stiess sich am 9. VII. 92 nachts mit aller Gewalt mit dem linken
Auge an die Xante einer offenstelienden Thiire.
Heftige Schmerzen und eine bedeutende Herabsetzung des
Sehvermogens des verletzten Auges veranlassten die Patientin, am
12. VII. augenarztliche Hilfe zu suchen.
Es wurde eine grosse, frisclie subretinale Blutung zwischen
Sehnerv und Macula lutea und eine retinale Blutung nach oben
innen vom Sehnerv constatiert. ISTach rascher Resorption der Ha-
morrhagien entwickelte sich das Bild, das mit unwesentlichen An-
derungen von dort an sich gleich blieb.
Funktionelle Prufung und Augenspiegelbild stammen aus dem
Jahre 1893.
Rechtes Auge: E. S. Vi Jag. 1 in 20 Ct.
Linkes Auge: E. S. Jag. 3 in 20 Ct. muhsam.
Gesichtsfeld weist keinen Defekt auf.
Das charakteristische ophthalmoscopische Symptom ist eine
breite, weisse, teilweise pigmentierte sichelformige Figur zwischen
temporalem Sehnervenrande und Macula lutea mit spitzen, lang
ausgezogenen Enden. Sie verlauft concentrisch zum oberen, aus-
seren und unteren Opticusrand und zeigt in der grossten Ausdeh-
nung ihres Verlaufes eine ziemlich gleiche Breite (^/s Papillenbreite). |
Sie ist scharf gerandert und blendend weiss; nur ihre langen spitzen
Auslaufer erscheinen gelbrotlich und heben sich demnach nur schwer
vom Rot des umgebenden Hintergrundes ab. An Stelle des Uber-
gangs des oberen Endes der weissen Sichel in ihren Auslaufer
sitzt ein grosser, schwarzer Pigmenthaufen, von welchem einzelne
Pigmentfaden ausstrahlen. Sehr viel Pigment ist auch in den
unteren zwei Dritteln der weissen Sichel angehauft, stellen-
weise fast ihre ganze Breite deckend, stellenweise weisse Inseln
freilassend. Ihr ganzer innerer Contour ist von einem schwarzen
Pigmentstreifen gebildet. Langs des grossten Teils des inneren
Randes der Sichel zieht sich ein heller gelbroter Saum hin, wahrend
der aussere und innere Rand des oberen Sichelansatzes graurot-
lich eingesaumt ist.
Aderhautgefasse sind in der ganzen Ausdehnung des geschil-
derten Chorioideadefektes nicht nachweisbar. Die Netzhautgefasse
ziehen unbehindert iiber dieselben hinweg.
Der Sehnerv vertical oval, scharf gerandert, bietet mit seinen
Gefassen keine besondere Anomalie. Hach oben innen vom Seh¬
nerv erscheint der sonst blonde, chagrinierte Hintergrund in einem
zwischen den oberen inneren Netzhautgefassen liegenden Zwickel
hellgelblichrot, wahrscheinlich in Folge Rarefication des Pigment-
epithels durch die friihere Netzhautblutung.
M. K., 37 years old, laundress; no previons eye-trouble. On
the night of July 7, 92 she struck her left eye with all her force
aganist the edge of a door standing open.
Violent pain and a considerable diminution in the sight of
the injured eye caused patient to seek medical advice on July 12.
A large, recent subretinal hemorrhage was found between
the papilla and the macula lutea, also a retinal hemorrhage above
and internal to the papilla. After rapid absorption of the hemor¬
rhages, a picture developed which has practically remained
stationary.
The functional examination and the ophthalmoscopic picture
are of the year 1893.
Right eye: E. V. = Vi Jag. 1 in 20 cm.
Left eye: E. V. = ^hs Jag. 3 in 20 cm with difficulty.
The field shows no defect.
The most characteristic ophthalmoscopic symptom is a broad,
white, partly-pigmented crescentic figure with drawn-out, pointed
ends, between the temporal border of the papilla and the macula.
This figure is situated concentrically to the upper, outer and lower
papillary border and presents through out the greater part of its
extent about the same breadth (Vs papilla-diameter). Its outline
is sharp and shining-white; the long pointed branches, however,
appear yellowish-red and differ less from the surrounding back grand.
At the junction of the upper end of the white crescent with its
branches, there is a large deposit of black pigment which sends
out several radiating pigmentary threads. The lower two-thirds
of the white crescent are also rich in pigment, in places covering
its entire breadth, in others leaving some white spaces free. Its
whole inner margin is formed by a black streak of pigment. A
light yellowish-red border runs along the greater part of the inner
margin of the crescent, while the outer and inner margins of its
upper extension have a grayish-red border.
No choroidal vessels are to be seen throughout the entire
extent of the above-described choroidal defect, over which the
retinal vessels continue in their natural course.
The papilla is vertically oval, sharply outlined and the vessels
present no anomaly. The fundus is pale yellow and shagreened.
Above and internal to the disc, however, there is an area lying
between the upper and inner retinal vessels which appears light
yellowish-red, presumably due to the rarefication of the pigment
epithelium after the previous retinal hemorrhage.
d. Tai.m
, Oeller, OphUtalmoslcopischer Atlas.
J. Odlffr,pinK.
Kuptura clioTioideae,
D.
Erkrankungen der Aderhaut.
Diseases of the choroid.
Tab. XX.
DIALYSIS ET RUPTURA CHORIOIDEAE.
D. Tab. XX.
Dialysis et Ruptura chorioideae oculi sinistri.
D. M., 27 Jahre alt, Taglohnerin, eiTitt am 19. XL 94 einen
schweren Unfall, indem ihr ein grosses Stlick eines Ziegelsteines
aus der Hohe des dritten Stockwerkes eines Neukaues auf das
linke Auge fiel.
Bei ihrer Vorstellung am 22. XL 94 bestand bei einer ziem-
lich betrachtlichen Schwellung des Unterlides eine ca. 1 cm lange
Hautwunde vom ausseren Lidwinkel langs des untern Orbitalrandes,
dessen Periost ebenfalls verletzt war; mehrere kleine Ziegelstein-
partikelchen wurden bei der Untersuchung noch aus der Wunde
entfernt. Ferner bestand heftige Injection der Conjunctiva bulbi,
geringer Hamophthalmus int., enge Pupille; das Sehvermogen war
bis auf Lichtempfindung erloschen. Die Spiegeluntersuchung ergab
heftige Papillitis und einen uber papillenbreiten, graublauen Hof
am temporalen Sehnervenrande (grosse chorioideale Blutung). Die
Periostitis dauerte unter enormer Schmerzhaftigkeit fast Jahr.
Das Spiegelbild ging aber relativ rasch wesentliche Veranderungen
ein, so dass Ende Januar 1895 im grossen Ganzen schon dieselben
ophthalmoskopischen Veranderungen konstatiert werden konnten,
die die ophthalmoskopische Untersuchung Ende 1895 aufwies, aus
welcher Zeit das dargestellte Spiegelbild stammt.
Rechtes Auge: S ®/7; mit + 2.0 D Nd 1.
Linkes Auge: Handbewegung in ^/2 M.
Medien rein.
Sehnerv vertikal oval; in seiner ganzen Ausdehnung diffus
rosarot mit nur unbestimmt angedeuteter Gefasspforte; temporaler
wie nasaler Rand von einem schwarzen Pigmentsaum umgeben.
Die Gefasse bieten keine besondere Anomalie.
Durch einen ganz schmalen, rotliclien Saum vom temporalen
Sehnervenrande getrennt verlault konzentrisch zur ausseren Opticus-
contour eine griinlichweisse Sichel, die noch die Mitte der oberen
und die untere und untere aussere Papillengrenze umgreift. Die
Enden der Sichel sind teils am Rande, teils in ihrer ganzen Breite
schwarz pigmentiert. Das Pigment schiekt da und dort kleine
Auslaufer ab; die Sichel selbst weist viel weniger Pigment auf.
Ihre Rander sind nnr eine kurze Strecke weit von diinnen Pigment-
faden eingesaumt, teils liegen einzelne zierliche, verastelte Pigment-
formen der Sichel anf. papillenbreit von ihr verlauft ein etwas
schmalerer, zu beiden Seiten leicht eingekerbter, weisser Streifen
von derselben Hohe, dessen unteres Ende mit der beschriebenen
Sichel im Zusammenhang steht. Gerade an dieser Stelle ist ziem-
lich viel Pigment in kurzen Streifen koncentrisch zum unteren,
ausseren Papillenrand angehauft.
Die obere Halfte des inneren Randes ist da und dort schwarz
gesaumt, wahrend der Mitte der unteren Halfte ein langer Pig-
mentfaden aufliegt. Zwischen diesem weissen Streifen und der
grunlichweissen Sichel erscheint der Hintergrund graurotlich und
tragt einzelne Pigmentfaden.
Das obere Ende dieses Streifens geht in einen hellen gelb-
lichroten, keilformigen Fortsatz aus. Ein ziemlich breiter, ebenfalls
hellgelbroter Hof setzt sich langs des ausseren Randes dieses
Streifens bis zum Ubergang desselben in die griinlichweise Sichel fort.
Die Netzhautgefasse ziehen unbehindert iiber die beschriebenen
Veranderungen hinweg.
Weit ere Veranderungen bietet der Hintergrund ca. 2 bis 2^/2
papillenbreit nach oben aussen und unten aussen von der mutmass-
lichen Stelle der Macula lutea, die ophthalmoscopisch also solche
nicht charakterisiert werden kann.
Nach unten aussen streichen gerade im Verbreitungsbezirke
der Arteria und Vena temp. inf. 2 schmale, hellgelblichrote, vom
Braunrot des umgebenden Hintergrundes sehr deutlich sich ab-
hebende uber und nebeneinander stehende, sichelformige, grauschwarz
geranderte Streifen mit ihrer Convexitat nach dem Sehnerv zu
gerichtet.
.Ein dritter, solcher, gelbroter Streifen steht senkrecht nach
oben einwarts von diesen und giebt vom ausseren Rande seiner
oberen, leicht nach rechts gewendeten Halfte zwei parallel zu
einander nach oben ziehende Fortsatze ab, gleichfalls grauschwarz
eingesaumt. Zwei kleine kurze horizontal streichende Sprossen
zweigen von dessen unterer Halfte ab. (Offenbar unvollkommene,
nur die innersten Lamellen der Aderhaut betreffende Risse.)
D. M., 27 years old, workingwoman, on Nov. 19, 94 was hit
on the left eye by a large piece of brick falling down from the
third story of a new building.
On Nov. 22, 94, the day of her first visit, beside a con¬
siderably swollen lower lid there was a wound of the skin exten¬
ding from the outer canthus along the lower orbital margin and
involving the periosteum. During the examination several small
particles of stone were removed from the wound. In addition, the
conjunctiva bulbi was inflamed, a slight haemophthalmus int., con¬
tracted pupil; sight was reduced to perception of light. The
ophthalmoscopic examination showed a violent papillitis and a
grayish-blue area broader than the disc, at the temporal discal
margin (large choroidal hemorrhage). The periostitis existed with
severe pain for 3 months. The ophthalmoscopic image rapidly
underwent decided changes and already by the end of January 95,
the same alterations in general were to be seen as at the end of
the year 95. The accompaning picture belongs to the latter period.
Right eye: V = ®/7 with + 2 D. Nd. 1.
Left eye: Movement of the hand in ^2 m.
Media clear.
The papilla is vertically oval; everywhere of a pink color,
the vessel-entrance is indistinct. Both the temporal and the nasal
margins are surrounded by a black pigmentary border. The vessels
present no anomaly.
A greenish-white crescent runs concentric to the outer discal
margin from which it is separated by a very narrow reddish seam ;
it touches the middle of the upper, the lower and the lower-outer
border of the papilla. The extremities of the crescent are pigmented
at their edges or over their entire surface. The pigment shows
here and there slight prolongations. The main part of the crescent
is less pigmented. Its borders are only for a short distance ontlined
by thin threads of pigment; in addition minute, branching accu¬
mulations of pigment lie directly on the crescent. V 2 papilla-
diameter distant there is a rather narrow white streak of about
the same length and with slightly notched borders. Its lower end
is in contact with the crescent jnst-described; exactly at this place
considerable pigment is accumulated in short streaks, arranged con¬
centrically to the lower-outer discal margin.
The upper half of the inner border of this white streak is
here and there outlined in black; a long thread of pigment is
deposited on the middle of the lower half. Between this white
streak and the greenish-white crescent the fundus appears grayish-
red and is covered by a few pigmented threads.
The upper end of this streak is prolonged to a light yellowish-
red, wedge-shaped process. A rather broad area of a similar yel¬
lowish-red is situated along the outer border of this streak and
extends to the greenish-white crescent below. The retinal vessels
pass unhindered over these alterations.
Further changes in the fundus can be seen about 2— 2^/2 pa¬
pilla-diameters above externally and below externally of the pre¬
sumable position of the macula lutea. In this case the position
of the macula cannot be determined with the ophthalmoscope.
Below and externally, just in the area of distribution of the
inf. temp. art. and vein, 2 narrow, crescentic, light yellowish-streaks
are situated with their concavity in the direction of the disc. They
are sharply ontlined against the brownish-red of the surrounding
fundus, lie over and next to one another and have grayish-black
borders.
A third, similar, yellowish-red streak lies vertically above and
internal to these two and gives off two parallel branches from the
outer margin of its upper half which is slightly inclined to the
right. The branches are directed upwards and also have grayish-
black borders. The lower half of this streak gives off two short
horizontal projections. (Probably incomplete tears involving only
the inner layers of the choroid.)
Oellfir, OphtJialmoslcopiscIier Adas.
D. TahH.
Dialysis et niptuFa cKorioideae.
Xi^-ic..J>ru/ik,d~ k^T/TVi?/e7\s-Drzi
E.
Angeborne Anomalien.
Congenital Anomalies.
Tab. II.
COLOBOMA CHORIOIDEAE.
E. Tab. II.
Coloboma Chorioideae oculi dextri.
Gr. M., 79 Jahre alt, Taglohnerswitwe, von vollkommen gesunden,
nicht kurzsichtigen Eltern stammend, war schon seit fruhester
Jugend kurzsichtig und etwas schwachsichtig; jedoch hielt sich
das Sehvermogen stets auf gleicher Stufe, bis vor 4 Jahren lang-
sam eine merkliche Abnahme der Sehkraft beider Augen sich ein-
stellte. Ihre 3 Kinder besitzen vollkommen normals Augen.
Funktionelle Priifung und Sniegelbild stammen aus dem
Jahre 1895.
Kechtes Auge: M 3 D. S ®/i5 Jag. 5 auf 20 cm.
Linkes Auge: M. 4 D. S “/is Jag. 3 auf 20 cm.
Spiegelbild auf beiden Augen gleich.
Rechtes Auge: Kleiner rundlicher Hornhautfleck in der Nahe
der Mitte der oberen Hornhautgrenze; einzelne Speichen in der
vorderen und hinteren unteren Oorticalis.
Das augenfalligste ophthalmoskopische Symptom ist eine grosse,
ca. l“/4 Papillenbreiten in vertikaler und ca. 2 Papillenbreiten in
horizontaler Ausdehnung messende, gebliche weisse Plache, die an
den unteren Rand des Sehnervs sich ansetzt, mit einem schmalen
Streifen aber auch noch die nasale und temporale Sehnervengrenze
umgiebt. Ihre Figur erinnert an ein leicht diagonal von oben innen
nach unten aussen gestelltes Wappenschild mit einer kurzen raphe-
artigen Spitze nach unten. Sie ist in grosser Ausdehnung braun-
rot eingesaumt; nur an einer Stelle ist langs des Saumes schwarzes
Pigment eingestreut. Vom Sehnerv ist nur die obere Halfte zu
sehen. Sie stellt ein halbiertes horizontales Oval dar von rot-
licher Farbe und unbestimmt contouriert; nur die nasale Grenze
umsaumt ein schwarzer Pigmentstreifen; der untere Rand ist durch
den Austritt und Verlauf der Netzhautgefasse begrenzt. Unterhalb
des Sehnervs besteht eine seichte ca. 2 D. tiefe Grube, die sich
noch etwas temporalwarts hin fortsetzt, um durch einzelne, das
Licht etwas starker reflectierende, horizontallaufende Treppenab-
satze zur Ebene der grossen weissen Flache aufzusteigen.
Die untere Halfte der weissen Flache bietet eine zierliche
Zeichnung, einem Gitterwerke mit engen unregelmassigen Maschen
. ahnlich. Die schmalen, scheinbar vorspringenden Leistchen sind
gelblich weiss, die Maschenraume hellgeblich grau. Vom weissen
Entergrnnde heben sich die Netzhautgefasse ohne Reflexstreifen
scharf gezeichnet ab. Die Vena temporalis inf. von ihrem Ur-
sprunge an etwas unbestimmt zu sehen, beschreibt, entsprechend
den Yorspriingen in der weissen Flache ein scharf gebogenes Knie.
Etwas oberhalb der Mitte des unteren Colobomrandes neben dem
nach unten ziehenden arteriellen Hauptstamme entspringt ohne Zu-
sammenhang mit den iibrigen Netzhautgefassen ein kleines Gefass,
unbestimmt ob Arterie oder Vene, das uber den unteren Rand der
weissen Flache nach unten innen in der Netzhaut verlanft, gerade
am Ursprunge aber nach aufwarts 2 ganz feine Reiserchen abgiebt
(offenbar cilioretinale Gefasse).
Die Farbe des Augenhintergrundes ist hellblond. Gerade
unterhalb des beschriebenen Defektes in der Aderhaut ist eine grosse
Zahl kleiner, rundlicher, weisslicher Knotchen anzutreffen: offen¬
bar Drusen in der Glaslamelle der Chorioidea.
Weiteren pathologischen Veranderungen begegnet man in der
macularen Gegend und nach unten aussen von dieser. Die Farbung
des Hintergrundes wird an diesen Stellen gesattigt rot. Yon
diesem Untergrnnde heben sich zwei weissgelbliche Herde ab:
der obere maculare, annaherend dreieckig mit der Basis des Drei-
ecks nach oben; der untere langere, etwas gewunden verlaufende
treibt an seinem oberen Ende einzelne kurze Auslaufer, ist an
seinem unteren Ende graubraun gesprenkelt und zeigt einzelne
chorioideale Gefasse. Tiefbraunrotes Pigment ist namentlich an
der nasalen Seite dieses Herdes angehauft.
G. M., 79 years old, widow of day-laborer. Parents perfectly
healthy and not short-sighted. Since earliest youth she has been short
sighted and somewhat amblyopic; her vision however remained con¬
stant until 4 years ago when slowly a decided diminution in the
sight of both eyes set in. The eyes of her 3 children are normal.
The functional examination and the ophthalmoscopic image
date from the year 1895.
Right eye: M. 3 D. V. = “/is, Jag. 5 in 20 cm.
Left eye: M. 4 D. Y. = “/is Jag. 3 in 20 cm.
The ophthalmoscopic images of both eyes are similar.
Right eye: Small, round macula near the middle of the upper
corneal margin; several spokes in anterior and posterior lower
corticales.
The most striking ophthalmoscopic symptom is a large yello¬
wish-white area contiguous to the lower margin of the disc, and
with narrow prolongations along the nasal and temporal margins.
It measures Vji papilla-diameters vertically and about 2 papilla-
diameters horizontally. This area ressembles an escutcheon, placed
obliquely from above-inward to below-outward and with a short
raphe-like end directed downward. It is almost completely sur¬
rounded by a narrow brownish-red border, at one place only some
pigment is to be seen in the margin. Only the upper half of
the papilla is visible; it appears as a bisected horizontal oval,
red in color and indistinctly outlined. There is a streak of black
pigment along its nasal border and the lower margin is limited by
the origin and course of the retinal vessels. A shallow groove of
about 2 D. in depth is situated below the disc. It is prolonged
somewhat in a temporal direction, and ascends on several hori¬
zontal and somewhat brighter steps to the level of the large
white area.
The lower half of the latter shows a delicate delineation, like
a lattice-work with narrow, irregular meshes. The narrow appa¬
rently protruding ridges are yellowish-white; the meshes-are light
yellowish-gray. The retinal vessels show no reflection and are in
contrast to the white background. The infero-temporal vein is at
its origin somewhat difficult to see and makes a sharp turn cor¬
responding to the projection of the white area. Somewhat above
the middle of the lower margin of the coloboma and close to the
main arterial trunk running downwards, arises a small vessel which
may be an artery or a vein. It does not communicate with any
other retinal vessel and proceeds over the lower margin of the
white area and then in a downward and inward direction in the
retina. Just at its origin it gives off two delicate ascending twigs
(presumably cilio-retinal vessels).
The color of the fundus is light blonde. Below this defect in
the choroid, there are a great number of small, round, whitish
dots; probably colloid degenerations of the choroidal basal membrane.
Other pathological changes are met with in the macular region
and farther down and outward. In these places the fundus has a
deep red color. Two whitish-yellow patches are conspicuous; the
upper, roughly triangular in shape with the base above; the lower,
drawn out and twisted with several short branches at its upper
end, while the lower end presents a grayish-brown, speckled ap¬
pearance and shows several choroidal vessels. There is an accu¬
mulation of deep brownish-red pigment, on the nasal side of this
area (choroiditis centralis).
Ocller, Ophthalmos'kopischer Atlas.
I. Tain
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